Proteste für bezahlbares Wohnen: Zeltlager in Madrid, Aktionen in Barcelona, Valencia und Palma

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
- Die Räumung von Maricarmen wird zum Auslöser
- Madrid: Stark abweichende Zahlen und ein Zeltlager
- Barcelona: Protestierende blockieren am Montagmorgen mehrere Straßen
- València: Drei unterschiedliche Schätzungen
- Palma ruft zur Kundgebung mit Abendessen auf
- Was am Dienstag politisch passieren könnte
- Einordnung für Mieter und Eigentümer in Spanien
- Fazit: Hoher Druck, aber noch keine neuen Regeln
Die Räumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal in Madrid hat Proteste in mehreren spanischen Städten ausgelöst. Auf der Puerta del Sol besteht seit Samstagnacht ein Zeltlager. In Barcelona blockierten Aktivisten am Montagmorgen zeitweise die Avinguda Meridiana, die Carretera de Sants bei der Plaça de Sants und den Carrer de Còrsega; eine geplante Aktion an der Diagonal kam nicht zustande. In València demonstrierten am Sonntag je nach Quelle zwischen mehr als 200 und rund 400 Menschen. Für Dienstag wird ein Wohnungsdekret der Regierung erwartet, dessen Inhalt und parlamentarische Mehrheit jedoch offen sind.
Die Räumung von Maricarmen wird zum Auslöser
Die Räumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal am Mittwoch, 23. September 2026, hat in Spanien eine städteübergreifende Protestbewegung für bezahlbares Wohnen ausgelöst. Nach Angaben von Las Provincias lebte die Frau sieben Jahrzehnte in einer Mietwohnung im Madrider Viertel Retiro. Sie habe einen Altmietvertrag gehabt, die Miete stets gezahlt und verfüge über einen anerkannten Behinderungsgrad von 50 Prozent.
Nachdem ein Fonds das Gebäude gekauft hatte, konnte Abascal laut Las Provincias die verlangte höhere Miete nicht tragen. Nach der Räumung wurde sie in das Madrider Krankenhaus Gregorio Marañón gebracht, wo sie nach Angaben von El País weiterhin liegt. Ihr Fall ist inzwischen zum Symbol der Proteste geworden.
Die Käuferfirma Urbagestión erklärte laut El País, sie wolle Abascal die Wohnung über eine Vereinbarung mit der städtischen Wohnungsgesellschaft zurückgeben. Die Stadt Madrid hält diesen Vorschlag dem Bericht zufolge für nicht umsetzbar, hat aber angeboten, zwischen den Beteiligten zu vermitteln. Ob und unter welchen Bedingungen Abascal in ihr Viertel zurückkehren kann, ist damit offen.
Madrid: Stark abweichende Zahlen und ein Zeltlager
Am Samstag, 26. September, zogen in Madrid Tausende Menschen gegen Räumungen und hohe Wohnkosten auf die Straße. Die Teilnehmerzahlen gehen erheblich auseinander: Die Regierungsdelegation bezifferte die Beteiligung laut Última Hora auf etwa 25.000 Menschen. Der Sindicato de Inquilinas de Madrid sprach dagegen von 300.000. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig miteinander vereinbaren und werden deshalb getrennt ausgewiesen.
Nach der Demonstration wurden in der Nacht zum Sonntag Zelte auf der Puerta del Sol errichtet. Die dortige Versammlung fordert von der Regierung und ihren parlamentarischen Partnern, innerhalb von 48 Stunden ein inzwischen als „decreto Maricarmen“ bezeichnetes Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen.
El País zufolge existiert seit Juli ein Entwurf, der bislang keine ausreichende politische Unterstützung fand. Für Dienstag, 29. September, wird erwartet, dass die Regierung ein Wohnungsdekret vorlegt. Welche Bestimmungen der Text enthalten wird und ob dafür eine tragfähige Mehrheit besteht, ist am Montagvormittag offen. Medien berichten, dass die Regierung unter anderem mit Junts und Podemos nach einer Einigung sucht. Die Positionen der möglichen Partner liegen demnach weit auseinander.
Barcelona: Protestierende blockieren am Montagmorgen mehrere Straßen
In Barcelona blieb es am Montag, 28. September, nicht bei Ankündigungen. Nach einem um 08.31 Uhr veröffentlichten Bericht von El País blockierten Aktivisten am Morgen zeitweise die Avinguda Meridiana, die Carretera de Sants auf Höhe der Plaça de Sants und den Carrer de Còrsega. Die Aktionen hatten um 7.30 Uhr begonnen und richteten sich gegen die Wohnraumpolitik vor dem Besuch von Ministerpräsident Pedro Sánchez.
Die Mossos d’Esquadra verhinderten eine Ausweitung des Protests vom Carrer de Còrsega auf die Avinguda Diagonal; die geplante Sperrung der Diagonal wurde abgesagt. Die drei zeitweisen Blockaden lösten sich laut Bericht vor 9 Uhr auf. Die Angaben beschreiben punktuelle Aktionen am Montagmorgen, keine dauerhaften Straßensperrungen. Reisende und Pendler sollten für den weiteren Tagesverlauf aktuelle Verkehrsmeldungen prüfen.
Die Sprecherin des Mieterverbandes, Carme Arcarazo, verlangt eine automatische Verlängerung von Mietverträgen, eingefrorene Mieten während der jeweiligen Vertragslaufzeit, eine Reform des spanischen Mietgesetzes LAU und eine wirksame Politik gegen Räumungen. Dabei handelt es sich um Forderungen der Organisation, nicht um bereits vereinbarte Bestandteile des erwarteten Dekrets.
Arcarazo kündigte schärfere Proteste an, sollte sich das Regierungsvorhaben aus Sicht des Verbandes als „Farce“ erweisen. Ein unbefristetes Zeltlager nach Madrider Vorbild wurde für Barcelona dagegen nicht angekündigt. Weitere regionale Entwicklungen finden Leser in den Nachrichten aus Spanien und im Bereich Costa Brava und Barcelona.
València: Drei unterschiedliche Schätzungen
In València versammelten sich am Sonntag, 27. September, ab 19 Uhr Demonstrierende auf der Plaza del Ayuntamiento. Auch dort unterscheiden sich die Angaben zur Beteiligung: Las Provincias berichtete von mehr als 200 Menschen, Cadena SER von rund 300. Die Sprecherin des örtlichen Sindicat de Llogateres, Andrea Aleixos, bezifferte die Zahl laut Briefing auf rund 400.
Die Organisatoren wollten mit der Kundgebung ihre Unterstützung für das Zeltlager in Madrid ausdrücken und Druck vor dem erwarteten Regierungstermin am Dienstag aufbauen. Ein Zeltlager in València war zunächst nicht vorgesehen. Aleixos stellte jedoch neue Aktionen in Aussicht, falls am Dienstag kein Dekret vorgelegt beziehungsweise beschlossen werde, das den Forderungen der Bewegung entspricht.
Damit bleibt auch hier der weitere Verlauf vom tatsächlichen Inhalt und vom politischen Verfahren in Madrid abhängig. Die Schätzungen aus València dürfen ebenso wenig zusammengerechnet werden wie die stark voneinander abweichenden Zahlen aus Madrid, weil sie dasselbe Ereignis beschreiben.
Palma ruft zur Kundgebung mit Abendessen auf
Auf Mallorca hat der Sindicat de Llogateres de Mallorca für Montag, 28. September, um 20 Uhr zu einer Kundgebung mit gemeinsamem Abendessen auf der Plaça de Cort in Palma aufgerufen. Das Motto lautet „Ni una Maricarmen más“ – keine weitere Maricarmen. Teilnehmer sollen nach Angaben der Veranstalter Essen zum Teilen mitbringen.
Laut Diario de Mallorca verlangt der Verband, dass das sogenannte Maricarmen-Dekret „ohne Änderungen“ beschlossen wird. Diese Formulierung gibt die Position des Verbandes wieder. Da der endgültige Regierungstext am Montagvormittag noch nicht vorliegt, bleibt offen, auf welche Fassung sich die Forderung im Detail bezieht.
Weitere Informationen aus der Inselregion stehen in unserem Bereich Mallorca. Die Kundgebung in Palma verbindet die örtliche Debatte über Wohnkosten mit den Protesten in Madrid, Barcelona und València.
Was am Dienstag politisch passieren könnte
In den Berichten wird der Termin am Dienstag teilweise mit dem Ministerrat und teilweise mit dem Kongress verbunden. Belastbar lässt sich derzeit festhalten: Für Dienstag wird erwartet, dass die Regierung ein Wohnungsdekret vorlegt; Inhalt und Mehrheiten sind offen. Erst ein veröffentlichter Text wird zeigen, welche Maßnahmen die Regierung tatsächlich vorschlägt und wann sie gelten könnten.
Allgemein gilt für königliche Gesetzesdekrete in Spanien, dass sie innerhalb von 30 Tagen vom Kongress bestätigt werden müssen. Eine Vorlage oder Verabschiedung durch die Regierung bedeutet daher nicht automatisch, dass sämtliche Regelungen dauerhaft Bestand haben. Entscheidend sind sowohl der Wortlaut als auch die anschließende parlamentarische Abstimmung.
Die von den Verbänden verlangte automatische Vertragsverlängerung, ein Einfrieren von Mieten und Änderungen an der LAU sind folglich noch keine geltenden Regeln. Hintergrund zur bisherigen Mietentwicklung bietet unser Beitrag über Mieten und Indexierung in Barcelona 2026. Eine breitere europäische Einordnung angespannter Wohnungsmärkte findet sich außerdem in unserem Hintergrund zu EU-Regeln und angespannten Wohnungsmärkten.
Einordnung für Mieter und Eigentümer in Spanien
Für deutschsprachige Mieter, Vermieter und Eigentümer in Spanien ist vor allem wichtig: Am Montagvormittag, 28. September, ist noch keine neue Regelung beschlossen. Bestehende Mietverträge ändern sich durch Demonstrationen, Forderungspapiere oder die Ankündigung eines Dekrets nicht automatisch.
Wer von einem laufenden Mietverhältnis betroffen ist, sollte deshalb weder automatische Verlängerungen noch eine sofortige Mietpreisbremse oder neue Räumungshürden als gegeben voraussetzen. Maßgeblich bleiben zunächst der bestehende Vertrag und das geltende Recht. Erst nach Vorlage des angekündigten Textes lässt sich beurteilen, welche Vertragsarten und Sachverhalte erfasst wären, ob Übergangsregeln vorgesehen sind und wann einzelne Bestimmungen in Kraft treten könnten.
Ebenso offen ist, ob die Regierung für ihr Vorhaben im Kongress eine Mehrheit findet. Der politische Druck durch das Zeltlager in Madrid und die Aktionen in anderen Städten ist sichtbar gestiegen. Eine konkrete Rechtsänderung folgt daraus bislang jedoch nicht.
Fazit: Hoher Druck, aber noch keine neuen Regeln
Der Fall Maricarmen hat die spanische Wohnungsdebatte innerhalb weniger Tage mobilisiert: Madrid erlebt ein Zeltlager, Barcelona mehrere Aktionen, València eine Kundgebung und Palma einen Protestabend. Im Mittelpunkt steht nun Dienstag, 29. September. Bis die Regierung ihren Text vorlegt und das weitere parlamentarische Verfahren geklärt ist, bleiben Umfang, Wirkung und politische Überlebensfähigkeit des sogenannten Maricarmen-Dekrets offen.
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Quelle
El País – „La rabia de los jóvenes por la vivienda activa la cuenta atrás en el reloj de Sol: 48 horas para un decreto real“
https://elpais.com/espana/madrid/2026-09-28/la-rabia-de-los-jovenes-por-la-vivienda-activa-la-cuenta-atras-en-el-reloj-de-sol-48-horas-para-un-decreto-real.htmlMetrópoli Abierta – „El Sindicat de Llogateres llama a "colapsar Barcelona" con acciones sorpresa para exigir el 'decreto Maricarmen' a Pedro Sánchez“
https://metropoliabierta.elespanol.com/el-pulso-de-la-ciudad/20260928/sindicat-llogateres-llama-colapsar-barcelona-acciones-sorpresa-exigir-decreto-maricarmen-pedro-sanchez/1003742797723_0.htmlCadena SER – „Cientos de personas se concentran en València para exigir soluciones al problema de la vivienda“
https://cadenaser.com/comunitat-valenciana/2026/09/27/cientos-de-personas-se-concentran-en-valencia-para-exigir-soluciones-al-problema-de-la-vivienda-donde-esta-el-gobierno-progresista-radio-valencia/Las Provincias – „Las protestas por el desahucio de Maricarmen llegan a Valencia“
https://www.lasprovincias.es/comunitat/protestas-desahucio-maricarmen-llegan-valencia-20260927162026-nt.htmlÚltima Hora – „El Sindicat de Llogateres llama a ocupar la Plaza de Cort este lunes“
https://www.ultimahora.es/noticias/local/2026/09/27/2717513/sindicat-llogateres-llama-ocupar-plaza-cort-este-lunes-por-companeros-madrid-todas-maricarmen-del-estado.htmlDiario de Mallorca – „Mallorca se suma a la convocatoria nacional: concentración y cena para que «no haya ni una Maricarmen más»“
https://www.diariodemallorca.es/mallorca/2026/09/27/mallorca-suma-convocatoria-nacional-concentracion-134740220.htmlEl País – „El Sindicat de Llogateres intenta colapsar los accesos a Barcelona antes de la visita de Pedro Sánchez“
https://elpais.com/espana/catalunya/2026-09-28/el-sindicat-de-llogateres-intenta-colapsar-los-accesos-a-barcelona-antes-de-la-visita-de-pedro-sanchez.html
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 28. September 2026
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