Wohnen in Spanien: Minister will Ersparnisse umlenken, Mieter in Rivas sollen kaufen oder gehen

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Zwei Texte der Zeitung El País vom 12. Oktober zeigen den spanischen Wohnungsstreit von zwei Seiten. Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo erklärt im Interview, die Spanier sollten ihr Erspartes nicht nur in Wohnungen anlegen. Eine Reportage aus Rivas-Vaciamadrid bei Madrid beschreibt Mieter, deren frühere Sozialwohnungen ein großer Investmentfonds nun verkaufen will.
Cuerpo: Ersparnisse sollen andere Wege finden
Carlos Cuerpo ist Wirtschaftsminister und Erster Vizepräsident der Regierung. Bei der Wahl am 29. November tritt er nicht auf den Listen der PSOE an. Das bestätigte er im Interview mit El País, das am Freitag geführt wurde.
Als Gründe für die Wohnungskrise nennt Cuerpo den Einbruch der Bauwirtschaft nach der Immobilienblase, deren Anteil an der Wirtschaftsleistung von 13 auf 6 Prozent fiel. Dazu kämen stark gestiegene Baukosten seit 2021, zu wenige öffentliche Wohnungen und die Umwandlung vieler Wohnungen in Ferienunterkünfte. Über Jahrzehnte seien die Ersparnisse der Spanier vor allem in Immobilien oder auf Girokonten geflossen. Die Regierung wolle Alternativen schaffen, etwa ein neues Spar- und Anlagekonto mit Steuervorteilen. Das sind Aussagen des Ministers, keine unabhängige Analyse.
Was er zu den Dekreten sagt
Auf die Frage nach der Unsicherheit durch Dekrete, die erst gelten und dann wieder kippen, verweist Cuerpo auf deren Inhalt: Mieterhilfen über eine Steuerabsetzung von bis zu 10 Prozent der Miete, Verlängerungen um zwei Jahre mit höchstens 2 Prozent Mieterhöhung sowie Steuervorteile für Vermieter, die Verträge verlängern oder die Miete senken. Das richte sich nicht gegen kleine Eigentümer, sagt er.
Zur Einordnung: Das aktuell geltende Dekret ist das Real Decreto-ley 29/2026, in Kraft seit 8. Oktober. Seine Bestätigung im Parlament steht noch aus. Die Dekrete 26/2026 und 27/2026 hat der Kongress am 2. Oktober abgelehnt, sie gelten nicht. Welche der vom Minister genannten Maßnahmen im geltenden Dekret stehen und welche nur geplant sind, geht aus dem Interview nicht im Einzelnen hervor.
Rivas: Sozialwohnungen, die keine mehr sind
Die Reportage spielt in der Siedlung Ronda Gloria Fuertes 2 in Rivas-Vaciamadrid. Dort entstanden 2003 dreizehn Blöcke mit geförderten Mietwohnungen (VPO) auf öffentlichem Grund der Region Madrid, so El País mit Verweis auf die Stadtverwaltung. Die ersten Mieten lagen um 470 Euro im Monat für rund 75 Quadratmeter.
2008 kaufte ein Investmentfonds die gesamte Anlage, zuerst unter dem Namen Lazora, heute Nestar. Nestar verwaltet nach Schätzung der Zeitung mehr als 8.000 Mietwohnungen in Spanien. Den Kaufpreis nennt das Unternehmen nicht. Die Plataforma de Afectados por la Hipoteca spricht von etwa 70.000 Euro pro Wohnung. Das ist eine Angabe der Initiative, kein belegter Preis.
Verlängerung oder Kauf
Seit die Wohnungen nicht mehr an die Förderregeln gebunden sind, verlängert Nestar laut El País die Mietverträge nicht mehr und bietet die Wohnungen zum Kauf an, auf Portalen für 315.000 bis 380.000 Euro. Eine Bewohnerin zahlt nach eigenen Angaben 843 Euro Miete, weil Nebenkosten wie Grundsteuer, Müllgebühr und Versicherungen auf die Miete umgelegt wurden. Andere nennen fast 1.200 Euro. Rund 40 Nachbarn haben sich zusammengeschlossen.
Nestar verweist auf das Mietgesetz LAU, das die Umlage dieser Kosten erlaube. Das Unternehmen erklärt, es prüfe jeden Fall einzeln und habe ein Team für Mieter in schwieriger Lage. Die Bewohner bestreiten, dass es echte Verhandlungen gibt. Beide Darstellungen stammen aus der Reportage, eine unabhängige Prüfung liegt nicht vor.
Was beide Texte verbindet
Der Minister will, dass weniger Erspartes in Wohnungen fließt. Die Reportage zeigt, was passiert, wenn große Investoren Wohnungen als Anlage halten und die Förderbindung endet. Ob das Dekret 29/2026 solchen Mietern hilft, hängt von der Abstimmung im Kongress und vom Einzelfall ab. Wer als Großvermieter gilt, erklären wir in unserem Beitrag zur Definition des Gran Tenedor.
Was das für dich bedeutet
Wohnst du in Spanien zur Miete, lohnt ein Blick in deinen Vertrag: Welche Nebenkosten darf der Vermieter umlegen, wann endet der Vertrag, und gibt es eine Verlängerungsoption? Bei einer früheren Sozialwohnung kann es sich lohnen, bei der Gemeinde oder Region nach der ursprünglichen Förderbindung zu fragen. Hintergründe findest du auch in unseren Texten zum Mietmarkt nach den Dekreten, zu Löhnen und Wohnkosten seit 2012 und zu den Wohnungsprotesten.
Quellen dieses Artikels:
El País – „Carlos Cuerpo: “Buscamos que el ahorro de los españoles tenga alternativas a la inversión en vivienda”“
https://elpais.com/economia/2026-10-12/carlos-cuerpo-buscamos-que-el-ahorro-de-los-espanoles-tenga-alternativas-a-la-inversion-en-vivienda.html
El País – „Fátima y sus 40 vecinos: cuando un fondo buitre les echa de su vivienda de protección oficial“
https://elpais.com/espana/madrid/2026-10-12/fatima-y-sus-40-vecinos-cuando-un-fondo-buitre-les-echa-de-su-vivienda-de-proteccion-oficial.html
BOE – „Ley 29/1994, de Arrendamientos Urbanos“
https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-1994-26003
BOE – „Real Decreto-ley 29/2026, de 6 de octubre“
https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-2026-20823
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Quelle
El País – „Carlos Cuerpo: “Buscamos que el ahorro de los españoles tenga alternativas a la inversión en vivienda”“
https://elpais.com/economia/2026-10-12/carlos-cuerpo-buscamos-que-el-ahorro-de-los-espanoles-tenga-alternativas-a-la-inversion-en-vivienda.htmlEl País – „Fátima y sus 40 vecinos: cuando un fondo buitre les echa de su vivienda de protección oficial“
https://elpais.com/espana/madrid/2026-10-12/fatima-y-sus-40-vecinos-cuando-un-fondo-buitre-les-echa-de-su-vivienda-de-proteccion-oficial.htmlBOE – „Ley 29/1994, de Arrendamientos Urbanos“
https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-1994-26003BOE – „Real Decreto-ley 29/2026, de 6 de octubre“
https://www.boe.es/buscar/act.php?id=BOE-A-2026-20823
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 12. Oktober 2026
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