Erbschaft und Immobilien in Spanien: Mit dieser Testamentsklausel sparen Kinder Steuern

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Wer in Spanien eine Immobilie besitzt, sollte sich früh mit dem Testament beschäftigen. Eine bestimmte Klausel kann dafür sorgen, dass Kinder beim Erbe deutlich weniger Steuern zahlen. Entscheidend ist, ob der überlebende Ehepartner den Nießbrauch erhält und wie die Immobilie später übertragen wird.
Warum die Region über die Steuerlast entscheidet
Spanien kennt eine landesweite Erbschaft- und Schenkungsteuer, doch die Autonomen Gemeinschaften dürfen Freibeträge und Ermäßigungen selbst festlegen. In Andalusien, Madrid oder der Comunitat Valenciana zahlen Kinder und Ehepartner dadurch oft nur einen Bruchteil dessen, was in anderen Regionen fällig würde.
Maßgeblich ist in der Regel, wo der Verstorbene seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte – bei Immobilien von Nichtansässigen kann auch der Belegenheitsort der Immobilie ausschlaggebend sein. Wer eine Ferienwohnung an der Costa Blanca besitzt, aber in Deutschland lebt, sollte diesen Punkt unbedingt vorab klären.
Die Klausel: Nießbrauch für den Ehepartner
Die in spanischen Testamenten am häufigsten genutzte Gestaltung teilt das Eigentum an der Immobilie auf. Der überlebende Ehepartner erhält den lebenslangen Nießbrauch (usufructo), die Kinder das sogenannte blanke Eigentum (nuda propiedad).
Der Vorteil: Bewertet wird zunächst nur der Wert des jeweiligen Anteils. Der Nießbrauch wird nach dem Alter des Berechtigten berechnet, das blanke Eigentum entspricht dem Restwert. Für die Kinder fällt dadurch beim ersten Erbfall eine deutlich geringere Bemessungsgrundlage an.
Der überlebende Ehepartner kann weiter in der Wohnung leben oder sie vermieten. Verkauft werden kann die Immobilie allerdings nur gemeinsam, weil Nießbrauch und blankes Eigentum zusammengeführt werden müssen.
Was beim zweiten Erbfall passiert
Stirbt der Nießbrauchsberechtigte, wächst den Kindern das volle Eigentum zu. Dieser Vorgang ist steuerlich nicht kostenlos: Es wird der damals verbliebene Wert nachversteuert, allerdings nach dem Steuersatz und der Bewertung des ursprünglichen Erbfalls.
In vielen Konstellationen bleibt die Gesamtbelastung dennoch niedriger, als wenn die Kinder sofort das volle Eigentum erben. Ob sich die Gestaltung lohnt, hängt vom Alter der Beteiligten, vom Immobilienwert und von den regionalen Freibeträgen ab.
Nicht vergessen: Plusvalía und Fristen
Neben der Erbschaftsteuer erheben viele Gemeinden die plusvalía municipal auf den Wertzuwachs des Grundstücks. Sie fällt auch im Erbfall an und wird von der Gemeinde berechnet.
Wichtig sind außerdem die Fristen. Die Erbschaftsteuererklärung muss in Spanien grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten nach dem Todesfall eingereicht werden. Eine Verlängerung um weitere sechs Monate ist möglich, muss aber rechtzeitig beantragt werden. Wer die Frist versäumt, riskiert Zuschläge und Zinsen.
Deutsche Erblasser: Rechtswahl ausdrücklich regeln
Nach der EU-Erbrechtsverordnung richtet sich das anwendbare Erbrecht grundsätzlich nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthalt. Wer als Deutscher dauerhaft in Spanien lebt, würde damit spanischem Erbrecht unterliegen – einschließlich des strengen Pflichtteilsrechts zugunsten der Kinder.
Im Testament kann jedoch ausdrücklich das Recht des Heimatstaates gewählt werden. Diese Rechtswahl betrifft nur das Erbrecht, nicht die Steuer. Ein spanisches Testament vor einem Notar, eingetragen im zentralen Testamentsregister, erleichtert die Abwicklung vor Ort erheblich.
Praktische Schritte
- Immobilienwerte und Eigentumsanteile im Grundbuch prüfen lassen.
- Regionale Freibeträge der zuständigen Autonomen Gemeinschaft ermitteln.
- Spanisches Testament beim Notar errichten und Rechtswahl aufnehmen.
- NIE-Nummer für alle künftigen Erben rechtzeitig beantragen.
- Steuerliche Beratung in Deutschland und Spanien abstimmen, um Doppelbesteuerung zu vermeiden.
Weitere Hintergründe zu Steuern und Eigentum finden Sie in unserem Ratgeber Steuerliche Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien sowie im Überblick Auswandern nach Spanien.
Quelle
ABC – „La cláusula del testamento con la que los hijos pagan menos impuestos“
https://www.abc.es/economia/
Ratgeber zum Thema
Hintergrund und Praxiswissen, das über die aktuelle Meldung hinausgeht.
Auswandern nach Spanien: Der komplette Leitfaden
NIE, Anmeldung, Kosten und Alltag – alle Schritte für den Neustart in Spanien.
Wohnen in Spanien: Miete, Kauf und Wohnungssuche
Wie Wohnungssuche, Mietvertrag und Immobilienkauf in Spanien wirklich ablaufen.
Immobilien in Spanien kaufen
Nebenkosten, Steuern und Fallstricke beim Kauf einer Immobilie in Spanien.
Finanzen und Steuern in Spanien
Bankkonto, Steuerpflicht, Abgaben und laufende Kosten im Überblick.
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 07. September 2026
Unsere RedaktionsleitlinienArtikel teilen
Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?
Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang
Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Ähnliche Artikel

Ceuta drei Monate nach den Masseneinreisen: Fast 14.000 Menschen zurück nach Marokko
Laut El País sind drei Monate nach den Einreisen vom Juli fast 14.000 Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt oder ausgewiesen worden; 7.000 sind in Aufnahmezentren, 4.000 laut Stadt nicht erfasst. Formelle Rückführungen Minderjähriger sind ein getrennter Vorgang.

Kanaren-Regen: La Palma stuft höchste Alarmstufe zurück, Warnlage bleibt bestehen
Die kanarische Regierung hat am Montag, 2. November, ab 09:00 Uhr kanarischer Ortszeit die höchste Alarmstufe im Osten La Palmas zurückgenommen: Dort gilt nun wieder „Alerta“. La Palma, La Gomera und El Hierro bleiben in der Alarmstufe, Teneriffa und Gran Canaria in der Vorwarnstufe. Kräftige Schauer bleiben möglich.

Spaniens Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 0,6 Prozent – INE veröffentlicht Erstschätzung
Das reale BIP steigt laut INE vorläufig um 0,6 Prozent zum Vorquartal und 2,7 Prozent zum Vorjahr. Die saison- und kalenderbereinigten Werte können später revidiert werden.
