Benidorm kehrt seinen Arbeitskräften den Rücken: Wohnen wird für Beschäftigte fast unbezahlbar

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Benidorm lebt vom Tourismus – doch genau die Menschen, die Hotels, Restaurants und Bars am Laufen halten, finden in der Stadt kaum noch eine bezahlbare Wohnung. Ferienvermietung und ausländische Käufer treiben die Preise, während die Löhne im Gastgewerbe kaum steigen.
Ein Tourismusmotor ohne Wohnraum
Benidorm gehört zu den bekanntesten Urlaubsorten Europas und ist ganzjährig geöffnet. Zehntausende Beschäftigte arbeiten in Hotels, Gastronomie, Reinigung, Handel und Freizeitparks. Genau für diese Gruppe ist Wohnraum in der Stadt inzwischen kaum noch erschwinglich.
Wohnungen, die früher langfristig vermietet wurden, wandern in die touristische Kurzzeitvermietung. Dort lassen sich in wenigen Sommermonaten Einnahmen erzielen, die eine Jahresmiete übersteigen. Für Eigentümer ist das rational, für den Wohnungsmarkt hat es klare Folgen.
Löhne halten nicht mit
Im Gastgewerbe liegen die Einkommen häufig nahe am Tarifniveau. Bei Mieten, die für kleine Wohnungen inzwischen deutlich über den früheren Werten liegen, geht ein großer Teil des Nettoeinkommens allein für das Wohnen drauf. Für Alleinstehende und Alleinerziehende ist die Lage besonders schwierig.
Viele Beschäftigte weichen in Nachbargemeinden wie La Nucía, Villajoyosa oder ins Hinterland aus und pendeln täglich. Andere teilen sich Wohnungen zu dritt oder viert oder mieten einzelne Zimmer.
Ausländische Käufer verschärfen den Wettbewerb
An der Costa Blanca ist der Anteil ausländischer Käufer hoch. Häufig wird ohne Hypothek gekauft, was bei Angeboten einen klaren Vorteil verschafft. Wer als lokaler Käufer auf eine Finanzierung angewiesen ist, hat gegen ein Barangebot kaum eine Chance.
Das treibt nicht nur die Kaufpreise, sondern indirekt auch die Mieten, weil ein Teil der erworbenen Wohnungen wiederum touristisch vermietet wird.
Was die Stadt plant
Benidorm setzt auf geförderten Wohnungsbau und die Ausweisung von Flächen für dauerhaftes Wohnen. Zusätzlich wird über strengere Regeln für neue touristische Vermietungslizenzen diskutiert. Beide Instrumente wirken jedoch nicht kurzfristig: Von der Planung bis zur Schlüsselübergabe vergehen Jahre.
Einige Hotelbetriebe gehen deshalb eigene Wege und mieten oder kaufen Wohnungen für ihr Saisonpersonal an – ein Modell, das aus Skigebieten und von den Balearen bekannt ist.
Was das für Urlauber und Residenten heißt
Für Urlauber bleibt Benidorm gut erreichbar und breit aufgestellt, doch Personalmangel kann sich in längeren Wartezeiten und eingeschränkten Serviceangeboten bemerkbar machen. Wer selbst an der Costa Blanca eine Wohnung sucht, sollte mit einem angespannten Markt, kurzen Reaktionszeiten und hohen Anforderungen an Nachweise rechnen.
Weitere Beiträge aus der Region finden Sie unter Costa Blanca.
Quelle
EL PAÍS – „Benidorm da la espalda a sus trabajadores“
https://elpais.com/espana/comunidad-valenciana/
Ratgeber zum Thema
Hintergrund und Praxiswissen, das über die aktuelle Meldung hinausgeht.
Auswandern nach Spanien: Der komplette Leitfaden
NIE, Anmeldung, Kosten und Alltag – alle Schritte für den Neustart in Spanien.
Wohnen in Spanien: Miete, Kauf und Wohnungssuche
Wie Wohnungssuche, Mietvertrag und Immobilienkauf in Spanien wirklich ablaufen.
Immobilien in Spanien kaufen
Nebenkosten, Steuern und Fallstricke beim Kauf einer Immobilie in Spanien.
Finanzen und Steuern in Spanien
Bankkonto, Steuerpflicht, Abgaben und laufende Kosten im Überblick.
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 07. September 2026
Unsere RedaktionsleitlinienArtikel teilen
Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?
Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang
Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Ähnliche Artikel

Kanaren: Begrenzung von Wohnungskäufen durch Ausländer kommt vorerst nicht
Die geplante Begrenzung von Immobilienkäufen durch nicht auf den Kanaren ansässige Ausländer kommt vorerst nicht. Minister Ángel Víctor Torres erklärte am Montag, 19. Oktober 2026, die mit Coalición Canaria vereinbarte Initiative sei durch Gegenstimmen von PP, Vox und Junts hinfällig geworden. Eine gesetzliche Beschränkung ist somit nicht in Kraft. Für Käufer ergeben sich derzeit keine neuen Einschränkungen.

Bootsrettungen: 62 Menschen in La Restinga versorgt, 18 vor Calp und Benidorm gerettet
In der Nacht zum 22. Oktober hat Salvamento Marítimo laut der Notrufzentrale 112 Canarias 62 Migranten in Gewässern vor El Hierro gerettet; im Hafen von La Restinga wurden alle in gutem Allgemeinzustand versorgt. Vor Calp und Serra Gelada (Alicante) waren am 16. und 17. Oktober 18 Menschen gerettet worden. Frontex meldet für die Kanarenroute 45 Prozent weniger Ankünfte.

Balearen: Einzelhandel fordert Residentenrabatt gegen Online-Riesen
Der balearische Einzelhandel fordert einen Ausgleich für inselbedingt höhere Logistikkosten. Die Verbände wollen damit vor allem kleineren Geschäften bessere Bedingungen im Onlinehandel ermöglichen. Der Govern bereitet eine Untersuchung der Zusatzkosten vor, konkrete Hilfen sind jedoch nicht beschlossen. Einen „Residentenrabatt“ für den Handel gibt es bislang nicht.
