Andalusien: Wohnungspreise steigen um 10,4 Prozent, Räumungen sinken

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
- Wohnungspreise Andalusien: Jahresanstieg unter dem spanischen Schnitt
- Große Unterschiede zwischen Provinzen und Städten
- Hypotheken beanspruchen gut ein Drittel des Einkommens
- Blasenvergleich: Unterschiedliche Methoden, unterschiedliche Ergebnisse
- Räumungen erreichen niedrigsten Stand der Vergleichsreihe
- Beratung, politische Debatte und Fazit
Andalusiens Wohnungspreise sind im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl gerichtlicher Räumungen im ersten Quartal 2026 auf 616, rund 45 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus zwei Berichten von ABC Sevilla vom 30. September 2026 hervor. Die Nachrichten über Wohnungspreise in Andalusien und Räumungen beschreiben damit unterschiedliche Entwicklungen, beruhen jedoch auf älteren Daten und verschiedenen Berichtszeiträumen.
Die Preisangaben stammen aus dem Bericht IMIE Mercados Locales von Tinsa für das zweite Quartal 2026, dessen Ergebnisse bereits Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli veröffentlicht wurden. Die Räumungszahlen des spanischen Justizrats CGPJ beziehen sich ausschließlich auf Januar bis März 2026. Sie sind weder eine Septemberbilanz noch eine Bilanz des laufenden Gesamtjahres.
Wohnungspreise Andalusien: Jahresanstieg unter dem spanischen Schnitt
Nach der von ABC Sevilla am 30. September aufgegriffenen Tinsa-Auswertung lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Andalusien im zweiten Quartal 2026 bei 1.728 Euro. Der jährliche Anstieg von 10,4 Prozent blieb unter dem spanischen Durchschnitt von 15,2 Prozent. Insgesamt verzeichneten 13 der 19 autonomen Regionen und Städte Zuwächse von mehr als zehn Prozent.
Im Vergleich zum unmittelbar vorausgehenden Quartal fiel die Entwicklung umgekehrt aus: Laut La Razón auf Grundlage derselben Tinsa-Auswertung stiegen die Preise in Andalusien um 4,3 Prozent, landesweit um 3,7 Prozent. Jahresvergleich und Quartalsvergleich zeigen somit unterschiedliche Ausschnitte der Preisbewegung.
Beim absoluten Preisniveau lag Andalusien deutlich unter den teuersten Regionen. Tinsa wies für das zweite Quartal 2026 auf den Balearen durchschnittlich 3.782 Euro je Quadratmeter aus, in Madrid 3.648 Euro und im Baskenland 2.710 Euro.
Große Unterschiede zwischen Provinzen und Städten
Innerhalb Andalusiens meldete Tinsa für das zweite Quartal 2026 die stärksten jährlichen Zuwächse in den Provinzen Granada mit 15 Prozent und Málaga mit 14,9 Prozent. Es folgten Huelva mit 13,6 Prozent, Cádiz mit 12,8 Prozent, Almería mit 8,8 Prozent und Córdoba mit 6,8 Prozent. Für Sevilla und Jaén enthalten die vorliegenden Angaben keine entsprechenden Veränderungsraten.
Die Provinzpreise lagen laut der von ABC wiedergegebenen Auswertung ebenfalls weit auseinander:
- Málaga: rund 2.700 Euro je Quadratmeter.
- Cádiz: 1.914 Euro, Sevilla: 1.788 Euro.
- Granada: 1.536 Euro, Huelva: 1.495 Euro.
- Córdoba: 1.173 Euro, Jaén: 950 Euro.
Diese Provinzdurchschnitte sind von den Werten der gleichnamigen Hauptstädte zu unterscheiden. Unter den Provinzhauptstädten führte im zweiten Quartal 2026 Málaga mit 2.937 Euro je Quadratmeter vor Cádiz mit 2.788 Euro und Sevilla mit 2.589 Euro. Granada erreichte 2.317 Euro, Córdoba 1.774 Euro, Almería 1.692 Euro, Huelva 1.519 Euro und Jaén 1.417 Euro.
Bei den ausdrücklich genannten Gemeinden ragte Marbella mit 3.694 Euro je Quadratmeter heraus. Tinsa bezifferte Vélez-Málaga auf 2.562 Euro, El Puerto de Santa María auf 2.303 Euro und Chiclana auf 2.032 Euro. Solche lokalen Werte zeigen, wie begrenzt der andalusische Durchschnitt einzelne Teilmärkte abbildet.
Hypotheken beanspruchen gut ein Drittel des Einkommens
Die von La Razón zur Tinsa-Auswertung für das zweite Quartal 2026 veröffentlichten Finanzierungsdaten nennen für Andalusien eine durchschnittliche Hypothek von 161.339 Euro, gegenüber 173.331 Euro in Spanien. In der Provinz Málaga betrug der Wert 244.843 Euro, in Cádiz 149.764 Euro und in Sevilla 140.363 Euro.
Laut dieser Auswertung benötigte ein andalusischer Haushalt im ersten Hypothekenjahr durchschnittlich 35,4 Prozent seines verfügbaren Einkommens für die Finanzierung. Spanienweit waren es 35,7 Prozent. Dabei handelt es sich um eine durchschnittliche Belastungskennzahl, nicht um eine Aussage über die finanzielle Situation jedes Haushalts. Die Werte beschreiben zudem keine Mietbelastung. Diese bildet einen eigenen Teil der Wohnungsfrage, wie der Bericht über Mieten und Wohnungskrise in Málaga verdeutlicht.
Blasenvergleich: Unterschiedliche Methoden, unterschiedliche Ergebnisse
Die Frage, ob die Preise das Niveau der früheren Immobilienblase erreicht haben, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Nach der Tinsa-Auswertung, über die La Razón am 1. Juli 2026 berichtete, lagen die Städte Málaga und Sevilla bereits über ihren Höchstwerten von 2007. Andalusien insgesamt blieb nach dieser Berechnung hingegen noch 10,3 Prozent unter seinem früheren Maximum.
Ein anderes Ergebnis liefert der vom Wohnungsministerium veröffentlichte Schätzwert, der „valor tasado“, für frei finanzierte Wohnungen. Wie Diario de Sevilla am 13. Juni 2026 berichtete, erreichte dieser in Andalusien im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 1.924,9 Euro je Quadratmeter. Damit lag er über dem früheren Maximum von 1.805 Euro aus dem zweiten Quartal 2008.
Die Aussagen beruhen auf unterschiedlichen Methoden und Vergleichszeiträumen. Sie dürfen deshalb nicht zu einer einheitlichen Preisreihe verbunden werden. Auch Angebotspreise in Málaga und Cádiz oberhalb des Blasenniveaus sind als eigene Kennzahl zu betrachten. Die ABC-Formulierung, Andalusien nähere sich der Blase, ist eine journalistische Zuspitzung, kein einheitlicher statistischer Befund.
Räumungen erreichen niedrigsten Stand der Vergleichsreihe
Bei den gerichtlichen Räumungen zeigt die von ABC Sevilla am 30. September veröffentlichten CGPJ-Daten einen deutlichen Rückgang. Im ersten Quartal 2026 wurden in Andalusien 616 sogenannte „lanzamientos“ registriert, gegenüber 1.125 im ersten Quartal 2025. Gegenüber den 2.499 Räumungen im ersten Quartal 2019 entspricht dies einem Rückgang von rund 75 Prozent.
Die übrigen ersten Quartale der Reihe verzeichneten 1.443 Räumungen im Jahr 2020, 1.778 im Jahr 2021, 1.858 im Jahr 2022, 1.278 im Jahr 2023 und 1.076 im Jahr 2024. Der Wert für 2026 ist damit der niedrigste dieser Vergleichsreihe.
Nach den von ABC genannten CGPJ-Angaben entfielen im ersten Quartal 2026 rund 57 Prozent der andalusischen Räumungen auf Mietrückstände im Anwendungsbereich des Mietgesetzes. Danach folgten Hypothekenvollstreckungen und andere Gründe. Für denselben Zeitraum meldete ABC 921 Räumungen in Katalonien und 741 in der Region Valencia.
Beratung, politische Debatte und Fazit
Andalusiens Beratungsdienst gegen illegale Besetzung und zum Wohnungsschutz hat laut ABC seit 2019 insgesamt 27.266 Beratungen erbracht: 22.196 telefonisch oder online und 5.070 persönlich. Der Stand wird im Bericht vom 30. September 2026 genannt. In 1.354 Fällen griff der Dienst ein, davon 713 durch Vermittlung, 375 zur Prävention und 266 zum Schutz. Auf Málaga und Córdoba entfielen 65,5 Prozent der Fälle.
Wie viele Räumungen dadurch verhindert wurden, ist nicht bekannt. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Beratungsangebot und dem statistischen Rückgang lässt sich daraus nicht ableiten. ABC wertet die Zahlen als Argument in der politischen Dekretsdebatte. Das ist die Einordnung der Zeitung. Das nationale Wohnungsdekret vom 29. September 2026 mit Räumungsschutz bis 2030 betrifft dagegen eine spätere politische Maßnahme, nicht den Erhebungszeitraum der Räumungszahlen.
Fazit: Die Daten zeigen steigende Wohnungspreise und weniger gerichtliche Räumungen in Andalusien. Daraus folgt weder eine allgemeine Entspannung am Wohnungsmarkt noch ein Widerspruch: Preisniveau, Finanzierungsbelastung und Räumungen messen unterschiedliche Aspekte. Für die Bewertung bleiben Zeitraum, räumliche Ebene und Erhebungsmethode entscheidend.
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Quelle
ABC Sevilla – „El precio de la vivienda en Andalucía sube por encima del 10% y roza las cifras de la burbuja de 2007“
https://www.abc.es/espana/andalucia/precio-vivienda-andalucia-subio-encima-ciento-ultimo-20260930071304-nts.htmlABC Sevilla – „Los desahucios judiciales han caído un 75% en Andalucía desde 2019“
https://www.abc.es/espana/andalucia/desahucios-judiciales-caen-andalucia-ano-20260930124238-nts.htmlLa Razón – „El precio de la vivienda en Málaga y Sevilla supera ya el pico de la burbuja inmobiliaria“
https://www.larazon.es/cultura/precio-vivienda-malaga-sevilla-supera-pico-burbuja-inmobiliaria_202607016a43fcb4552c361f7c55e935.htmlDiario de Sevilla – „El precio de la vivienda en Andalucía está ya un 7% por encima del tope de la burbuja inmobiliaria“
https://www.diariodesevilla.es/economia/precio-vivienda-andalucia-burbuja-inmobiliaria_0_2007027665.html
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 30. September 2026
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