Zurück zur Übersicht

26 große Kanaren-Gemeinden erfüllen EU-Kriterien für angespannte Wohngebiete

Von Redaktion Spanienleben.de
Wohnungsbau auf Gran Canaria vor dichter städtischer Bebauung und kanarischer Landschaft

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt

Inhaltsverzeichnis
Artikel teilen:

In 26 der 30 bevölkerungsreichsten Gemeinden der Kanaren erfüllen die Immobilienpreise die quantitativen EU-Kriterien für ein angespanntes Wohngebiet. Dazu zählen Las Palmas de Gran Canaria, Telde und mehrere stark touristisch geprägte Orte. Eine Einstufung könnte Grenzen für Ferienvermietung und Zweitwohnsitze sowie Abgaben auf leer stehende Wohnungen ermöglichen. Beschlossen ist das jedoch noch nicht.

Fast alle großen Gemeinden liegen über der Schwelle

Die Europäische Kommission will einen gemeinsamen Rahmen für Gebiete schaffen, in denen Wohnen besonders schwer bezahlbar ist. Als quantitatives Grundkriterium gilt: Der durchschnittliche Kaufpreis einer Wohnung entspricht mindestens acht durchschnittlichen Jahreseinkommen der örtlichen Bevölkerung. Zudem muss sich dieses Verhältnis innerhalb des vergangenen Jahrzehnts verschlechtert haben.

Liegt der Kaufaufwand bereits bei zehn oder mehr Jahreseinkommen, muss der Anstieg nicht zusätzlich nachgewiesen werden. Eine Auswertung von Daten des Consejo General del Notariado und des spanischen Statistikamts INE für die Jahre 2015 bis 2023 zeigt: 26 der 30 bevölkerungsreichsten Gemeinden der Kanaren erfüllen diese Vorgaben. Ausgenommen sind Ingenio, Agüimes, Arrecife und Arucas.

Adeje, Guía de Isora und Mogán besonders belastet

Den höchsten Wert erreicht Adeje im Süden Teneriffas. Dort entsprach der Kaufpreis 2023 durchschnittlich 24,57 Jahreseinkommen. Es folgen Guía de Isora mit 24,32 und San Miguel de Abona mit 18,02 Jahren. Mogán auf Gran Canaria liegt mit 17,28 Jahren knapp vor Tías auf Lanzarote mit 17,27.

Auch die vier kanarischen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern überschreiten die Schwellen. In Las Palmas de Gran Canaria entspricht ein Wohnungskauf 10,75 Jahreseinkommen. Für Santa Cruz de Tenerife wurden 12,32 Jahre ermittelt, für La Laguna 12,55 und für Telde 10,46.

Ingenio bleibt mit 7,29 Jahren unter der Mindestgrenze. In Arucas, Agüimes und Arrecife liegt der Aufwand zwar über acht, aber unter zehn Jahreseinkommen. Dort hat sich das Verhältnis seit 2015 nicht verschärft, weil die Einkommen stärker stiegen als die Immobilienpreise.

Die Zahlen allein reichen für eine Einstufung nicht aus

Eine Gemeinde würde nicht allein wegen des Verhältnisses zwischen Kaufpreis und Einkommen zum angespannten Wohngebiet. Sie müsste außerdem belegen, dass sich die Lage voraussichtlich in den folgenden drei Jahren nicht entspannt. Dafür wären unter anderem Bevölkerungsentwicklung, Wanderungssaldo, Baugenehmigungen und die Zahl neu entstehender Haushalte zu prüfen.

Weitere Faktoren sind das Angebot an langfristigen Mietwohnungen, die Konzentration von Ferienunterkünften und Immobilienkäufe durch Nichtresidenten. Zusätzlich müsste ein erheblicher negativer Effekt in den drei Jahren vor dem Antrag nachgewiesen werden. Dazu kann die Verdrängung Einheimischer durch steigende Preise gehören. Auch ein Rückgang regulärer Mietwohnungen infolge wachsender Ferienvermietung könnte als Nachweis dienen.

Welche Maßnahmen möglich wären

Nach einer Einstufung könnten Gemeinden Ferienvermietungen beschränken, sofern die betroffene Immobilie nicht der Hauptwohnsitz des Eigentümers ist. Ebenso wären Vorgaben für den Kauf oder die Nutzung von Immobilien zu nicht dauerhaften Wohnzwecken möglich. Bezahlbare Wohnungen könnten etwa für junge Menschen oder Erstkäufer reserviert werden.

Der europäische Rahmen sieht außerdem steuerliche Nachteile für länger leer stehende Wohnungen sowie vorherige Nutzungserklärungen beim Kauf vor. Die zweite Quelle nennt auch die Möglichkeit, den Kauf von Zweitwohnsitzen zu begrenzen, besonders durch juristische Personen. Solche Eingriffe müssten verhältnismäßig sein und nachweislich den Zugang zu Wohnraum verbessern.

Die Regeln dürften nur für Immobilien gelten, die nach Inkrafttreten des Gesetzes erworben werden. Eine rückwirkende Anwendung ist ausgeschlossen. Maßnahmen wären zunächst auf höchstens fünf Jahre begrenzt und könnten nach einer Prüfung verlängert werden. Gleichzeitig müssten die Behörden den Bau von bezahlbarem und sozialem Wohnraum fördern.

Für Eigentümer und Käufer ist noch nichts entschieden

Die Kommission hat zunächst einen Gesetzesvorschlag vorgelegt. Dieser muss noch durch das Europäische Parlament und den Rat der EU. Danach wären mögliche Instrumente nicht automatisch verpflichtend. Gemeinden und Regionen könnten sie unter den festgelegten Voraussetzungen einsetzen.

Für Residenten, Auswanderer und Käufer auf Gran Canaria entstehen daher vorerst keine neuen Beschränkungen. Besonders in Las Palmas de Gran Canaria, Telde und Mogán könnten spätere Verfahren jedoch relevant werden. Entscheidend wären eine formelle Einstufung und anschließend konkrete lokale Regeln. Bestehendes Eigentum soll durch das Rückwirkungsverbot geschützt bleiben.

Ratgeber zum Thema

Hintergrund und Praxiswissen, das über die aktuelle Meldung hinausgeht.

Quelle

Redaktion Spanienleben.de

Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.

Veröffentlicht am 10. September 2026

Unsere Redaktionsleitlinien

Artikel teilen

Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?

Kostenlos abonnieren

Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang

Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Ähnliche Artikel

Starkregen und Gewitter über einer spanischen Mittelmeerküste

Unwetter in Spanien: Starkregen und Sturmböen treffen mehrere Regionen

Schwere Gewitter, Starkregen und extreme Windböen haben mehrere Regionen im Osten und Südosten Spaniens sowie die Balearen getroffen. In Felanitx auf Mallorca starb eine 63-jährige Frau, nachdem sie während des Unwetters auf der Straße stürzte und von den Wassermassen mitgerissen wurde. Die Guardia Civil untersucht den genauen Ablauf. An der Costa Blanca wurde in El Campello eine Windböe von 137 K

Hafen und Grenzanlagen von Ceuta mit spanischer und europäischer Flagge
Aktuelle Nachrichten10. September 2026

EU stellt 114,7 Millionen Euro für Ceuta bereit: Was mit dem Geld geplant ist

Ceuta erhält umfangreiche Unterstützung aus Brüssel. Die Europäische Kommission stellt Spanien 114,7 Millionen Euro zur Verfügung, um die Folgen der Migrationskrise in der autonomen Stadt zu bewältigen und die europäische Außengrenze zu verstärken. Mit dem Geld sollen unter anderem Überwachungstechnik, zusätzliche Einsatzkräfte, Aufnahmeplätze und die Versorgung unbegleiteter Minderjähriger finanz