Ronda: Ausflug zur Stadt über der Schlucht
Kaum ein Ort in Andalusien hat ein so einprägsames Bild wie Ronda: weiße Häuser direkt an der Abbruchkante, darunter eine 100 Meter tiefe Schlucht und mittendrin eine Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert. Für Urlauber an der Costa del Sol ist Ronda der beliebteste Tagesausflug ins Landesinnere.
Wer mehr will als das Brückenfoto, findet eine Stadt mit maurischer Altstadt, römischen Wurzeln, einer bedeutenden Stierkampftradition und einem Weinbaugebiet, das in den letzten zwei Jahrzehnten stark aufgeholt hat.
Anfahrt von der Küste
Von San Pedro de Alcántara führt die A-397 in rund einer Stunde nach Ronda – eine kurvige Bergstraße mit Ausblicken, die bei Autokrankheit fordernd sein kann. Von Málaga über die A-357 und A-367 dauert es etwa 1,5 Stunden, die Strecke ist ruhiger zu fahren.
Alternativ verkehren Busse ab Málaga und Marbella. Wer Zeit hat, nimmt den Zug von Algeciras nach Ronda: Die Strecke gilt als eine der landschaftlich schönsten Bahnverbindungen Spaniens.
Puente Nuevo und El Tajo
Der Puente Nuevo wurde zwischen 1759 und 1793 erbaut und verbindet die maurische Altstadt La Ciudad mit dem jüngeren El Mercadillo. Im Pfeiler befindet sich eine Kammer, die zeitweise als Gefängnis diente und heute ein kleines Ausstellungszentrum beherbergt.
Der beste Blick auf die Brücke ergibt sich nicht von oben, sondern vom Wanderweg Camino de los Molinos, der von der Altstadt in die Schlucht hinabführt. Der Abstieg ist einfach, der Rückweg steil – festes Schuhwerk und Wasser einplanen.
Altstadt, Bäder und Museen
In La Ciudad reihen sich Stadtpaläste, Kirchen und Aussichtspunkte aneinander. Die Kirche Santa María la Mayor steht auf den Fundamenten einer Moschee, deren Mihrab teilweise erhalten ist. Der Palacio de Mondragón beherbergt heute das Stadtmuseum.
Am Fluss liegen die Baños Árabes aus dem 13. Jahrhundert – die besterhaltenen arabischen Bäder Spaniens, inklusive funktionierender Wasserzuleitung und Sternenkuppeln.
- Plaza de Toros: eine der ältesten Arenen Spaniens, mit Museum
- Casa del Rey Moro: Wassermine mit über 200 Stufen in die Schlucht
- Mirador de Ronda: freier Panoramablick über die Serranía
Wein aus Ronda
Die Serranía de Ronda war schon zu römischer Zeit Weinbaugebiet, geriet aber lange in Vergessenheit. Seit den 1990er-Jahren sind über 20 Bodegas entstanden, die vor allem Rotweine aus Tempranillo, Syrah, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot erzeugen.
Viele Weingüter liegen wenige Autominuten außerhalb und bieten Führungen mit Verkostung an – meist nur mit Voranmeldung. Wer verkosten möchte, sollte einen Fahrdienst organisieren oder eine geführte Tour ab der Küste buchen.
Wann man Ronda besuchen sollte
Zwischen 11 und 16 Uhr ist die Stadt am vollsten, weil dann die Reisebusse von der Küste eintreffen. Wer früh anreist oder über Nacht bleibt, erlebt eine deutlich ruhigere Stadt – besonders schön ist der Puente Nuevo in der Abenddämmerung.
Durch die Höhenlage ist es im Sommer tagsüber heiß, nachts aber angenehm kühl; im Winter kann es empfindlich kalt werden und gelegentlich schneien. Frühling und Herbst sind die besten Reisezeiten, auch für Wanderungen in der Sierra de Grazalema.
Ronda als Tagesausflug oder Übernachtungsziel
Als Tagesausflug ab der Costa del Sol funktioniert Ronda gut, wenn man vor 10 Uhr da ist. Wer die Stadt ohne Tagesgäste erleben und die Weingüter der Umgebung besuchen will, plant besser eine Übernachtung ein – dann zeigt sich Ronda von seiner ruhigen Seite.




