Zurück zur Übersicht
Aktuelle Nachrichten 21. August 2026

Wohnungsnot befeuert Lagerraum-Boom in Barcelona

Self-Storage wird in Barcelona zur ausgelagerten Abstellkammer. Besonders gefragt sind kleine Einheiten in zentralen Stadtteilen.

Wohnungsnot befeuert Lagerraum-Boom in Barcelona

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt

Inhaltsverzeichnis
Artikel teilen:

In Barcelona werden gemietete Lagerräume für viele Menschen zum Ersatz für fehlende Quadratmeter zu Hause. Seit 2020 hat die Stadt bis Mai 2026 insgesamt 119 neue Self-Storage-Zentren genehmigt.

Der Boom hängt eng mit den hohen Wohnkosten und kleineren Wohnungen zusammen. Viele Haushalte lagern Kleidung, Sportausrüstung, Möbel oder Arbeitsmaterial aus, statt in eine größere Wohnung umzuziehen.

Allein 2025 wurden 28 Genehmigungen erteilt. Das waren fast dreimal so viele wie fünf Jahre zuvor und zugleich ein neuer Höchststand.

119 neue Zentren in allen Stadtbezirken

Die Zahl der genehmigten Standorte ist fast durchgehend gestiegen. 2020 waren es 11, 2021 folgten 15 und 2022 weitere 19. Im Jahr 2023 wurden 16 Zentren genehmigt, 2024 waren es 20 und 2025 schließlich 28. Bis Mai 2026 kamen zehn hinzu.

Die Verteilung fällt jedoch sehr unterschiedlich aus. Sant Andreu liegt mit 19 neuen Zentren vorn. Danach folgt Sants-Montjuïc mit 17.

Der Eixample, Gràcia und Horta-Guinardó erhielten jeweils 15 neue Standorte. Ciutat Vella kam dagegen nur auf vier. Dort erschweren kleine Erdgeschossflächen, bestehende Ladennutzungen und die schwierige Verkehrslage neue Projekte.

In besonders zentralen Lagen kann die Auslastung bis zu 95 Prozent erreichen. Barcelona und Madrid bündeln zusammen fast 50 Prozent des spanischen Self-Storage-Marktes.

Preise hängen stark von Lage und Größe ab

Die kleinsten Lagerräume beginnen meist bei etwa einem Quadratmeter. In Randlagen kosten solche Einheiten ab rund 50 Euro im Monat. In zentralen Vierteln kann sich der Preis für dieselbe Fläche fast verdoppeln.

Räume mit ungefähr drei Quadratmetern liegen je nach Lage zwischen 100 und 200 Euro monatlich. Hinzu kommen größere Einheiten mit 5, 10, 20 oder mehr Quadratmetern. Im Umland sind auch deutlich größere Lager verfügbar.

Einzelne Anbieter werben mit niedrigeren Einstiegspreisen. Necesito un trastero nennt für neue Standorte in Barcelona, Sant Cugat und Sabadell Angebote ab 45 Euro monatlich. Solche Tarife können jedoch zeitlich begrenzte Aktionen sein.

Wie stark die Lage zählt, zeigt das Angebot von OhMyBox!. Einheiten nahe La Maquinista sind günstiger als vergleichbare Flächen an der Calàbria oder València im Eixample.

Vom Abstellraum zur zweiten Wohnungshälfte

Die Nutzung geht längst über Umzüge und Renovierungen hinaus. Eine 42-jährige Bewohnerin zahlt rund 75 Euro monatlich für etwa 2,5 Quadratmeter. Dort bewahrt sie unter anderem Tauchausrüstung und Strandhüte auf, weil ihr Loft nur 35 Quadratmeter groß ist.

Ein Paar im Viertel Sagrada Família zahlt 120 Euro für knapp drei Quadratmeter mit drei Metern Höhe. Durch das Auslagern von Saisonkleidung, Surfbrett, Skiern und Unterlagen wurde in der Wohnung ein Zimmer für die Arbeit im Homeoffice frei.

Andere Kunden lagern Fahrräder, Werkzeuge, Akten oder Warenbestände ein. Ein Bewohner im Clot nutzt eine Einheit von rund 3,5 Quadratmetern sogar als begehbaren Kleiderschrank. Eine Physiotherapeutin bezeichnet ihren Lagerraum in Sant Andreu als „zweites Zimmer“.

Ein Markt mit weiterem Wachstum

Spanien verfügt inzwischen über rund zwei Millionen Quadratmeter Self-Storage-Fläche. Das entspricht 11,3 Prozent des europäischen Angebots. Barcelona und sein Ballungsraum kommen Schätzungen zufolge auf etwa eine halbe Million Quadratmeter.

Zu den größeren Anbietern gehören Bluespace, OhMyBox!, Necesito un trastero, Mister Traster und Homebox. Typisch sind lange Zugangszeiten oder ein Zugang rund um die Uhr, Kameras sowie eine Grundversicherung für eingelagerte Gegenstände.

Neue Modelle holen die Sachen direkt bei den Kunden ab. Box2Box verwaltet eingelagerte Gegenstände digital und nutzt Lager außerhalb der Stadt, um Kosten zu senken. Das Unternehmen hat rund 500 aktive Kunden in Barcelona, die durchschnittlich vier Quadratmeter gebucht haben.

Bedeutung für Bewohner Barcelonas

Ein Lagerraum kann günstiger sein als eine größere Wohnung. Trotzdem sollte die gesamte Monatsbelastung geprüft werden. Bei 100 Euro Monatsmiete entstehen bereits 1.200 Euro im Jahr, mögliche Preissteigerungen oder Zusatzleistungen nicht eingerechnet.

Wichtig sind außerdem Entfernung, Zugangszeiten, Versicherungsschutz und Bedingungen für Kündigung oder Mindestlaufzeit. Wer selten an seine Sachen muss, findet im Umland oft günstigere Angebote. Für häufige Zugriffe kann ein teurerer Standort in Wohnungsnähe praktischer sein.

Vor dem Vertragsabschluss lohnt sich eine Bestandsaufnahme. Denn zusätzliche Lagerfläche kann auch dazu führen, dass Dinge dauerhaft aufbewahrt werden, die eigentlich nicht mehr gebraucht werden.

Quelle

El Periódico de Catalunya – Barcelona – „Las caras del auge de trasteros en Barcelona: "Me sale mucho más a cuenta que coger un piso más grande"“

https://www.elperiodico.com/es/barcelona/20260821/historias-personales-auge-trasteros-mas-a-cuenta-que-un-piso-mas-grande-133504586?utm_source=rss-noticias&utm_medium=feed&utm_campaign=barcelona

Redaktion Spanienleben.de

Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.

Veröffentlicht am 21. August 2026

Unsere Redaktionsleitlinien

Artikel teilen

Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?

Kostenlos abonnieren

Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang

Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.