Strom in Spanien wird teurer: Hitze und Gaspreis belasten Haushalte
Am Abend erreicht der Strompreis besonders hohe Werte. Wer einen regulierten Tarif nutzt, kann durch die Wahl der Verbrauchszeit sparen.

Klimaanlagen an Wohnhäusern in Spanien während einer sommerlichen Hitzewelle
Inhaltsverzeichnis
Die Stromkosten in Spanien steigen im Sommer 2026 deutlich. Anhaltende Hitzewellen, ein höherer Verbrauch und teures Erdgas treiben die Preise nach oben.
Besonders groß sind die Unterschiede im Tagesverlauf. Während Solarstrom die Preise mittags teilweise fast auf null drückt, werden am Abend mehr als 200 oder sogar 300 Euro je Megawattstunde erreicht.
Betroffen sind vor allem Haushalte mit dem regulierten PVPC-Tarif. Kunden mit einem festen Vertrag auf dem freien Markt spüren den Anstieg dagegen nicht sofort.
Hitze lässt die Nachfrage steigen
Der Stromverbrauch lag im Juli 14 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Im August betrug der Zuwachs sechs Prozent. Hauptgrund ist der verstärkte Einsatz von Klimaanlagen, vor allem während der heißesten Stunden des Tages.
Hinzu kommen veränderte Produktionszeiten einzelner Industriebetriebe. Gleichzeitig fällt die Windstromproduktion in den sommerlichen Hochdrucklagen gering aus.
Der durchschnittliche Preis am iberischen Strommarkt überschritt deshalb im Juli und August an vielen Tagen die Marke von 100 Euro je Megawattstunde. Für Dienstag ergab die Auktion 120,35 Euro je Megawattstunde. Am vergangenen Freitag waren es 113,98 Euro.
Im Juni hatte der Durchschnitt noch bei 69,59 Euro gelegen. Das waren 4,1 Prozent weniger als im Juni 2025. Im Juli stieg der Wert dann um mehr als 50 Prozent auf 104,75 Euro und damit auf den höchsten Stand seit 16 Monaten.
Teures Gas verschärft den Preisanstieg
Die höheren Gaspreise belasten den Strommarkt zusätzlich. Als Ursache gilt unter anderem die Blockade der Straße von Hormus. Auch Unsicherheiten über Lieferwege im Nahen Osten und die europäischen Gasreserven vor dem Winter erhöhen die Risikoprämien.
Der Preis am niederländischen Gas-Handelsplatz TTF liegt über 65 Euro je Megawattstunde. Gaskraftwerke bieten Strom deshalb am Abend häufig zu Preisen von mehr als 200 Euro je Megawattstunde an.
Diese Anlagen werden benötigt, wenn nach Sonnenuntergang weniger Solarstrom verfügbar ist. Zudem setzt Red Eléctrica seit dem Stromausfall im April 2025 verstärkt auf Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke, um die Netzspannung zu stabilisieren und weitere Ausfälle zu vermeiden.
Branchenvertreter kritisieren die Kosten dieses verstärkten Betriebs. Im Juli trugen die Systemkosten dazu bei, dass der Endpreis bei 122,82 Euro je Megawattstunde lag. Red Eléctrica bezeichnet den Einfluss des Mechanismus auf den Markt dagegen als gering.
Große Preisunterschiede zwischen Mittag und Abend
Photovoltaikanlagen decken in den Stunden mit der stärksten Sonneneinstrahlung bis zu 60 Prozent der Stromnachfrage auf dem spanischen Festland. Zwischen 10 und 17 Uhr sinken die Preise daher oft deutlich.
Am vergangenen Freitag kostete Strom im PVPC zwischen 12 und 14 Uhr nur etwas mehr als 36 Euro je Megawattstunde. Um 21 Uhr wurden dagegen 339,70 Euro erreicht.
Auch am Großhandelsmarkt zeigte sich diese Spannweite. Für Dienstag lag der Preis gegen 14.30 Uhr bei 3,43 Euro je Megawattstunde. Gegen 21.30 Uhr waren es 226,83 Euro.
Der durchschnittliche PVPC-Preis erreichte am Freitag 177,77 Euro je Megawattstunde. Am Montag lag er bei 171 Euro, wobei einzelne Stunden deutlich über 300 Euro kosteten.
Regulierte und freie Tarife reagieren unterschiedlich
Der PVPC folgt dem kurzfristigen Großhandelsmarkt nicht mehr vollständig. Seit 2026 werden 60 Prozent seines Energieanteils über eine Kombination aus Preisen der Terminmärkte berechnet. Die übrigen 40 Prozent hängen vom kurzfristigen Strommarkt ab.
Anspruch auf diesen Tarif haben Verbraucher mit einer vertraglich vereinbarten Leistung von weniger als 10 kW. Rund acht Millionen Haushalte nutzen ihn.
Bei einem Festpreisvertrag auf dem freien Markt verändern die aktuellen Stundenpreise die Rechnung zunächst nicht. Der Anstieg kann sich jedoch bei der nächsten Vertragsverlängerung auswirken. Solche Verträge laufen üblicherweise ein Jahr.
Bedeutung für Bewohner und Feriengäste
Haushalte mit PVPC können Kosten begrenzen, indem sie flexible Verbraucher in die günstigen Mittagsstunden verlagern. Das gilt etwa für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Warmwassergeräte und das Laden eines Elektroautos.
Der Betrieb einer Klimaanlage am Abend kann dagegen besonders teuer sein. Vor einer Verlagerung sollten Verbraucher die stündlichen PVPC-Preise prüfen, da sich die günstigsten Zeitfenster täglich ändern.
Wer auf dem freien Markt versorgt wird, sollte zunächst klären, ob der Vertrag einen festen oder variablen Preis vorsieht. Bei einer bevorstehenden Verlängerung lohnt sich ein Vergleich der neuen Konditionen.
Quelle
El País – „La tormenta perfecta con el precio del gas y el calor en verano dispara la factura de la luz“
https://cincodias.elpais.com/companias/2026-08-25/la-tormenta-perfecta-con-el-precio-del-gas-y-el-calor-en-verano-disparan-la-factura-de-la-luz.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 25. August 2026
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