Spaniens Zweitwohnungen: 7,72 Millionen Objekte und ein Traum in der Krise
Das Ferienhaus prägte über Jahrzehnte Spaniens Küsten und das Lebensmodell vieler Familien. Heute wird dieser Besitz für immer weniger Menschen erreichbar.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Spanien verfügt über 7,72 Millionen Zweitwohnungen. Hinter dieser Zahl steht ein Lebensmodell, das über Generationen als Zeichen von Sicherheit, Erholung und sozialem Aufstieg galt.
Doch der Traum vom eigenen Haus für die Ferien gerät in die Krise. Immer weniger Menschen können sich neben ihrem Hauptwohnsitz eine weitere Immobilie leisten.
Die sogenannte segunda residencia bleibt damit ein fester Teil der spanischen Landschaft. Ihr gesellschaftlicher Stellenwert verändert sich jedoch deutlich.
Vom Rückzugsort zum Statussymbol
Die Idee eines zweiten Wohnsitzes ist älter als der moderne Tourismus. Schon der römische Politiker und Philosoph Cicero verband seine verschiedenen Häuser mit Ruhe, Arbeit und Abstand vom öffentlichen Leben.
In Spanien entwickelte sich daraus später ein verbreiteter Wunsch. Ein Haus im Heimatdorf, eine Wohnung am Meer oder ein kleines Domizil auf dem Land versprach Freiheit für Wochenenden und Ferien.
Dabei erfüllten diese Immobilien nicht nur einen praktischen Zweck. Sie wurden auch zum sichtbaren Beleg dafür, dass eine Familie wirtschaftlich vorangekommen war.
Der große Aufstieg des Ferienhauses
Mit wachsendem Wohlstand wurde die Zweitwohnung für breitere Bevölkerungsschichten erreichbar. Der Ausbau von Straßen und touristischer Infrastruktur verkürzte zugleich den Weg von den Städten an die Küsten und in klassische Ferienorte.
Viele Familien kauften Apartments in Strandnähe. Andere behielten Häuser in den Dörfern, aus denen Eltern oder Großeltern einst in die Ballungsräume gezogen waren.
Die segunda residencia verband deshalb zwei unterschiedliche Vorstellungen. Sie konnte ein modernes Feriendomizil sein oder ein familiärer Anker in der Herkunftsregion.
Küstenboom und Marina d’Or
Besonders sichtbar wurde das Modell in den großen Ferienanlagen an Spaniens Küsten. Apartmentblöcke, Gemeinschaftspools und Freizeitangebote bündelten den Wunsch nach planbarem Urlaub im eigenen Eigentum.
Marina d’Or steht sinnbildlich für diese Phase. Das groß angelegte Ferienprojekt verkörperte den Glauben, dass sich Freizeit, Immobilienbesitz und wirtschaftliches Wachstum nahezu unbegrenzt miteinander verbinden ließen.
Der Bauboom machte die Zweitwohnung zum Massenprodukt. Gleichzeitig entstanden große Bestände in Orten, deren Nutzung stark von Wochenenden, Ferienzeiten und der Sommersaison abhängt.
7,72 Millionen Objekte, weniger Käufer
Heute umfasst Spaniens Bestand 7,72 Millionen Zweitwohnungen. Die hohe Zahl bedeutet jedoch nicht, dass dieser Lebensstil weiterhin für große Teile der Bevölkerung zugänglich ist.
Wer eine zweite Immobilie kauft, muss nicht nur den Kaufpreis finanzieren. Hinzu kommen laufende Ausgaben für Steuern, Versicherungen, Instandhaltung und Gemeinschaftskosten. Auch ein zeitweise leer stehendes Objekt verursacht dauerhaft Kosten.
Parallel dazu bindet bereits der Hauptwohnsitz einen großen Teil des Einkommens vieler Haushalte. Eine zusätzliche Wohnung wird dadurch vom erreichbaren Familienprojekt zunehmend zum Privileg.
Bedeutung für Käufer und Residenten
Interessenten sollten bei einer Zweitwohnung deshalb nicht allein auf den Angebotspreis schauen. Entscheidend sind die gesamten jährlichen Kosten und die Frage, wie häufig das Objekt tatsächlich genutzt werden kann.
Auch die Lage verdient eine nüchterne Prüfung. Ferienorte können im Sommer lebhaft und im Winter deutlich ruhiger sein. Dienstleistungen, Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten stehen nicht überall ganzjährig im gleichen Umfang zur Verfügung.
Für Residenten zeigt die Entwicklung zudem einen grundlegenden Wandel. Die Zweitwohnung verschwindet nicht aus Spanien. Doch der jahrzehntelang verbreitete Traum vom eigenen Ferienhaus ist für immer weniger Menschen finanzierbar.
Quelle
El País – „De Cicerón a Marina d’Or, auge y caída de la cultura de la segunda residencia“
https://elpais.com/estilo-de-vida/2026-08-23/de-ciceron-a-marina-dor-auge-y-caida-de-la-cultura-de-la-segunda-residencia.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 23. August 2026
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