Spaniens Strompreis steigt trotz Rekord bei Solarenergie um 84 Prozent
Photovoltaik liefert im August zeitweise fast ein Drittel des spanischen Stroms. Dennoch bleiben Gas- und Atomkraftwerke für die Versorgung wichtig.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Spanien produziert so viel Solarstrom wie nie zuvor. Trotzdem ist Strom im August 2026 deutlich teurer als ein Jahr zuvor. Der durchschnittliche Preis liegt bislang bei 126 Euro je Megawattstunde und damit 84 Prozent über dem Vorjahreswert.
Photovoltaik ist im laufenden Monat die wichtigste Quelle der Stromerzeugung. Rund 31 Prozent des Stroms stammen nach vorläufigen Daten von Red Eléctrica aus Solaranlagen. Am 11. August waren es sogar 32,9 Prozent.
Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Doch die hohe Solarproduktion allein reicht nicht aus, um Gas- und Atomkraftwerke zu ersetzen oder hohe Preise zuverlässig zu verhindern.
Solarenergie wächst in hohem Tempo
Die Photovoltaik hat ihren Anteil am spanischen Strommix seit 2019 jedes Jahr ausgebaut. Im Juni 2019 lieferte sie 4,5 Prozent der Elektrizität und lag damals nur auf dem sechsten Platz der Erzeugungsquellen.
Sieben Jahre später führte sie den Mix im Juni mit 29,4 Prozent an. Im Juli waren es 28,4 Prozent. Zur Monatsmitte im August lag der Anteil bei rund 31 Prozent, wobei sich der endgültige Wert noch ändern kann.
Auch über das gesamte Jahr betrachtet wächst die Bedeutung erneuerbarer Energien. Ihr Anteil lag 2023 bei rund 50,9 Prozent. Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik kamen 2024 zusammen auf 53,52 Prozent und 2025 auf 52,41 Prozent. Im bisherigen Jahr 2026 erreichen die erneuerbaren Quellen 55,2 Prozent.
Warum der Solar-Rekord den Preis nicht automatisch senkt
Solarstrom steht nur während der hellen Stunden zur Verfügung. Gerade im Sommer steigt der Verbrauch jedoch auch nachts, weil Klimaanlagen und andere Kühlgeräte laufen. Gleichzeitig liefern Wind- und Wasserkraft in dieser Jahreszeit häufig weniger Strom.
Dann müssen andere Kraftwerke einspringen. Gas- und Atomkraftanlagen erzeugten 2026 bislang zusammen 34,47 Prozent des spanischen Stroms. Selbst in dem Jahr mit ihrem niedrigsten gemeinsamen Anteil waren es noch ungefähr ein Drittel.
Gas hat im Sommer 2026 zudem mehr Gewicht als im Vorjahr. Im Juni, Juli und August lag sein Anteil bei 15,6, 20,2 und 22,7 Prozent. Die Kernenergie kam in diesen Monaten auf 18,4, 18,3 und 12,7 Prozent.
Steigende Gaspreise wirken sich deshalb weiterhin auf den Strommarkt aus. Neben der reinen Erzeugung erfüllen konventionelle Kraftwerke eine weitere Aufgabe. Sie tragen zur Stabilität, Robustheit und Absicherung des Stromsystems bei.
Speicher sollen die Lücke schließen
Der nationale Energie- und Klimaplan PNIEC sieht einen starken Ausbau von Speichern vor. Batterien sollen kurzfristige Schwankungen ausgleichen. Pumpspeicherkraftwerke könnten überschüssigen Strom nutzen, um Wasser in ein höher gelegenes Becken zu pumpen und später wieder Elektrizität zu erzeugen.
Bislang reichen die verfügbaren Lösungen jedoch nicht aus, um große Mengen Solarstrom für die Nacht oder windarme Zeiten bereitzuhalten. Seit dem historischen Stromausfall vom 28. April 2025 stehen zudem Netzsicherheit und Reserven besonders im Fokus.
Die Herausforderung dürfte wachsen. Spanien will Verkehr, Gebäude und Industrie stärker elektrifizieren. Elektroautos werden häufig nachts geladen, wenn Solaranlagen keinen Strom liefern. Auch elektrische Heizsysteme und Industrieöfen erhöhen künftig den Bedarf.
Almaraz bleibt länger am Netz
Vor diesem Hintergrund erhalten die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Almaraz eine längere Laufzeit. Sie sollten ursprünglich 2027 und 2028 abgeschaltet werden, bleiben nun aber bis 2030 in Betrieb. Die Regierung begründete die Verlängerung vor allem mit möglichen Einsparungen bei hohen Gas- und Strompreisen.
Am grundsätzlichen Ziel eines Atomausstiegs bis 2035 ändert sich bislang nichts. Falls es keine weiteren Änderungen gibt, sollen 2030 vier der sieben spanischen Reaktoren schließen: Almaraz I, Almaraz II, Ascó I in Tarragona und Cofrentes in Valencia.
Die nächste Überarbeitung des PNIEC beginnt 2028 und soll den Zeitraum 2030 bis 2040 abdecken. Dabei muss Spanien klären, wie Solar- und Windkraft, Speicher, steigender Stromverbrauch und gesicherte Leistung künftig zusammenpassen.
Bedeutung für Urlauber und Residenten
Der hohe Großhandelspreis bedeutet nicht, dass jede private Stromrechnung automatisch um 84 Prozent steigt. Entscheidend sind der jeweilige Tarif, die Vertragsbedingungen, Steuern, Netzentgelte und der tatsächliche Verbrauch.
Haushalte mit zeitabhängigen Tarifen können besonders darauf achten, wann Strom günstig ist. Eigene Solaranlagen senken den Netzbezug am Tag. Ohne Batteriespeicher helfen sie jedoch nur begrenzt beim Verbrauch in den Abend- und Nachtstunden.
Quelle
El Mundo – „La paradoja energética de España: generación solar récord, pero con dependencia del gas y con la luz un 84% más cara que hace un año“
https://www.elmundo.es/economia/2026/08/19/6a8589d4e9cf4ac90c8b4597.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 20. August 2026
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