Mehr als 800 Menschen protestieren auf Menorca gegen Massentourismus
In Ciutadella fordert die Plattform Via Menorca Maßnahmen gegen Wohnungsnot, Überlastung, prekäre Arbeit und sinkende Grundwasserstände.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Mehr als 800 Menschen haben am Freitagabend in Ciutadella gegen die touristische Überlastung Menorcas protestiert. Zu der Kundgebung auf der Plaça de la Catedral hatte die Plattform Via Menorca aufgerufen.
Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Teilen der Insel. Im Mittelpunkt standen vier Themen: bezahlbarer Wohnraum, die wachsende Zahl der Besucher, prekäre Arbeitsverhältnisse und die Belastung der Grundwasservorräte.
Protest in Form eines gemeinsamen Abendessens
Die Kundgebung war als öffentliches Abendessen mit politischer Botschaft organisiert. Viele Teilnehmer brachten eigene Tische und Stühle auf den Platz vor der Kathedrale.
Nach Angaben der Organisatoren war der Andrang größer als erwartet. Die von der Stadtverwaltung und der Plattform bereitgestellten Materialien reichten deshalb nicht für alle Anwesenden aus.
Während der Veranstaltung liefen zwei große Ameisenfiguren über den Platz. Sie begleiten die Protestaktionen von Via Menorca als wiederkehrende Symbole. Auch Madó Farta nahm teil. Die Figur ist durch die Proteste gegen die touristische Überlastung auf Mallorca bekannt geworden. Zudem waren mehrere Mitglieder der dortigen Umweltorganisation GOB anwesend.
Wohnen und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt
In einer verlesenen Ansprache verwies Via Menorca auf die zunehmenden Schwierigkeiten der Inselbewohner bei der Wohnungssuche. Nach den von der Plattform verbreiteten Daten haben 98 Prozent der derzeit angebotenen Immobilien einen Preis, der für die ansässige Bevölkerung als „unmöglich“ gilt.
Zugleich kritisierte die Initiative prekäre Arbeitsbedingungen und den fortschreitenden Verlust von Pro-Kopf-Einkommen. Damit richtet sich der Protest nicht nur gegen hohe Besucherzahlen. Er thematisiert auch die wirtschaftlichen Folgen des touristischen Wachstums für Menschen, die dauerhaft auf Menorca leben.
Tourismusvolumen laut Plattform stark gestiegen
Via Menorca spricht von einem Anstieg des Tourismusvolumens um 80 Prozent innerhalb der vergangenen 15 Jahre. Die Initiative sieht darin eine zentrale Ursache für die zunehmende Belastung von Wohnungsmarkt, Infrastruktur und natürlichen Ressourcen.
Nach dem Abendessen erhielten die Teilnehmer Spielkarten, die an Bingo-Karten erinnerten. Mit diesem „Spiel der Überlastung“ wollte die Organisation die aus ihrer Sicht wichtigsten Probleme anschaulich erklären und gemeinsam auswerten.
Sorge um Menorcas Grundwasser
Ein weiterer Schwerpunkt war die Wasserversorgung der Insel. Via Menorca warnt, dass sich die Wasserstände in den Brunnen nicht ausreichend erholen. Als Grund nennt die Plattform die „brutalen“ Entnahmen während der Sommermonate.
Die Kritik verbindet damit soziale und ökologische Fragen. Steigende Besucherzahlen erhöhen nach Ansicht der Organisatoren den Druck auf Ressourcen, während viele Einwohner zugleich mit hohen Wohnkosten und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen kämpfen.
Weitere Aktionen angekündigt
Die Veranstaltung gehört zu einer Protestkampagne, die Via Menorca in diesem Sommer organisiert. Nach der hohen Beteiligung in Ciutadella sieht sich die Plattform nach eigenen Worten mit „neuer Energie“ für weitere Mobilisierungen ausgestattet.
Via Menorca will die Proteste fortsetzen, falls die Institutionen aus Sicht der Initiative nicht das allgemeine Interesse gegenüber den Folgen des touristischen Wachstums verteidigen. Konkrete Termine für weitere Aktionen wurden zunächst nicht genannt.
Quelle
Ara Balears – „Menorca també diu prou al turisme: més de 800 persones es manifesten contra la massificació“
https://www.arabalears.cat/societat/menorca-tambe-diu-prou-turisme-mes-800-persones-manifesten-massificacio_1_5824753.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 15. August 2026
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