Meer vor den Kanaren nähert sich dem Temperaturrekord von 2023
Die Meeresoberfläche rund um die Kanaren ist ungewöhnlich warm. Forschende erwarten den möglichen Einfluss von El Niño erst mit mehreren Monaten Verzögerung.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Das Meer rund um die Kanaren ist derzeit fast so warm wie im Rekordjahr 2023. Am 25. August lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur bei 24,84 Grad.
Damit fehlten nur 0,02 Grad zum Wert am gleichen Tag des Jahres 2023. Der bisherige Höchststand im Archipel wurde am 7. Oktober 2023 mit 25,78 Grad gemessen.
Vom kühlen Frühjahr zum sehr warmen Sommer
Zu Jahresbeginn sah die Entwicklung noch anders aus. Zwischen Februar und April gehörten die Oberflächentemperaturen vor den Kanaren zu den niedrigsten der vergangenen fünf Jahre. Nach einem kalten Winter lagen sie zunächst unter dem langjährigen Vergleichswert.
Ab Mai erwärmte sich das Wasser jedoch schnell. Im Juni überschritt die Temperatur den Durchschnitt. Im Juli lag sie bereits außerhalb der üblichen Schwankungsbreite.
Am 23. August wurden in der von Alonso Hernández ausgewerteten Messreihe 24,93 Grad erreicht. Innerhalb von vier Monaten wechselte das kanarische Meer damit von einer der kühlsten jüngeren Phasen zu einem der wärmsten Sommer der Messreihe.
Noch kein dauerhaft neuer Rekord
Die jüngsten Messwerte schwanken knapp um das Niveau von 2023. Am 24. August wurden 24,87 Grad gemessen. Das war etwas mehr als am selben Tag des Rekordjahres. Einen Tag später lag die Temperatur wieder leicht darunter.
Alonso Hernández, Professor für Meereswissenschaften und Direktor der Einheit für Ozean und Klima an der Universität Las Palmas de Gran Canaria, mahnt deshalb zur Vorsicht. Ein neuer, anhaltender Rekord lasse sich bisher nicht feststellen.
Weltweit ist die Lage deutlicher. Am 22. August erreichte die mittlere Oberflächentemperatur der Ozeane 21,1 Grad. Das war der höchste Wert der gesamten Satellitenmessreihe und übertraf den bisherigen Rekord von 21,09 Grad aus dem März 2024.
El Niño wirkt auf den Kanaren verzögert
Das Klimaphänomen El Niño erwärmt das Wasser im tropischen Pazifik ungewöhnlich stark. Dabei wird viel im Ozean gespeicherte Wärme an die Atmosphäre abgegeben. Das kann die globale Durchschnittstemperatur über Monate erhöhen.
Für die Kanaren lässt sich die aktuelle Erwärmung laut Hernández aber noch nicht eindeutig mit El Niño erklären. Dessen Einfluss auf den östlichen subtropischen Atlantik sei schwach und trete meist mit drei bis sechs Monaten Verzögerung ein.
El Niño habe 2026 seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. „Wenn wir den Höhepunkt dieses El Niño kennen, können wir abschätzen, wann sein Einfluss die Kanaren erreicht“, sagt Hernández.
Langfristiger Trend mit Folgen
Die seit 1982 geführte Messreihe für das kanarische Meeresgebiet zeigt eine Erwärmung von umgerechnet 2,52 Grad pro Jahrhundert. Zwischen 200 und 800 Metern Tiefe beträgt der bisher ermittelte Anstieg 0,06 Grad pro Jahrzehnt. Wegen lückenhafter Messungen ist dieser Wert allerdings mit erheblicher Unsicherheit verbunden.
Wärmeres Meerwasser begünstigt marine Hitzewellen. Es kann die Verbreitung von Arten verändern und trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Zugleich kann warmes Wasser weniger Kohlendioxid aufnehmen. Dadurch verbleibt mehr CO₂ in der Atmosphäre.
Neue Messfahrt nördlich des Archipels
Im Oktober soll das Forschungsschiff Odón de Buen des Instituto Español de Oceanografía eine neue Kampagne durchführen. Forschende des IEO-CSIC und der Universität Las Palmas de Gran Canaria untersuchen dabei Temperatur, Salzgehalt und Wärmetransport der Kanarenströmung.
Die Route umfasst 25 hydrographische Stationen. Sie führt vom Gebiet zwischen Marokko und den Kanaren über Lanzarote bis nördlich von La Palma. Die Messpunkte liegen etwa 100 Kilometer nördlich des Archipels.
Die seit 1996 vorgenommenen Untersuchungen sollen zeigen, wie viel Wärme die Strömung transportiert und wie sich dieser Transport verändert. Hernández fordert dafür regelmäßige Messfahrten und Forschungsschiffe auf den Kanaren. Zwischen 1999 und 2003 gab es kaum Daten. Auch später fielen Kampagnen aus, wenn kein Schiff verfügbar war.
Quelle
Canarias7 – „La temperatura marina en Canarias se acerca al récord de 2023: «El Niño aún no ha llegado»“
https://www.canarias7.es/sociedad/ciencia/temperatura-marina-canarias-acerca-record-2023-nino-20260826060000-nt.htmlRedaktion Spanienleben.de
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Veröffentlicht am 28. August 2026
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