Mallorca: Mehr Touristen, aber weniger Umsatz in Restaurants
CAEB-Vertreter Juan Miguel Ferrer rechnet 2026 mit deutlichen Einbußen in der Gastronomie. Hohe Reise- und Betriebskosten belasten die Branche.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
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Die Balearen melden mehr Besucher, doch Mallorcas Gastronomie profitiert davon nach eigener Einschätzung immer weniger. Juan Miguel Ferrer, Präsident von CAEB Restauración Mallorca, spricht von sinkenden Umsätzen und einem rückläufigen Durchschnittsbon.
Für August 2026 erwartet der Verband ein Umsatzminus von 12 bis 14 Prozent gegenüber 2025. Im Gesamtjahr könnte der Rückgang zwischen sechs und acht Prozent liegen.
Ferrer sieht darin ein Alarmsignal. Mehr Gäste am Reiseziel bedeuteten nicht automatisch mehr Geschäft für Restaurants, Bars, Geschäfte und Kulturangebote.
Reisebudget ist bei der Ankunft weitgehend verbraucht
Als Hauptgrund nennt Ferrer die stark gestiegenen Preise für Flüge und Unterkünfte. Früher hätten Urlauber etwa 30 bis 40 Prozent ihres Budgets für Anreise und Hotel ausgegeben. Heute könnten bereits bei der Ankunft auf Mallorca 70 Prozent aufgebraucht sein.
Für Gastronomie, Kultur und Einkäufe bleibt damit weniger Geld. Im August kommen zudem viele Familien auf die Insel. Diese achten nach Ferrers Einschätzung besonders auf ihre Ausgaben.
Die Restaurants müssten dennoch nahezu dasselbe Angebot und dieselbe Personalstärke vorhalten. Zugleich konsumierten die einzelnen Gäste weniger. Der Durchschnittsbon sinke, ohne dass sich die Tische schneller neu besetzen ließen.
Hohe Kosten setzen Restaurants unter Druck
Während die Einnahmen zurückgehen, steigen laut Ferrer die Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal. Hinzu kommen die Insellage, die starke Saisonabhängigkeit und der nach seinen Angaben teuerste Tarifvertrag des spanischen Gastgewerbes.
Ein Beschäftigter könne ein Unternehmen einschließlich Lohn, Sozialversicherung, Verpflegung, Uniformen und weiterer Posten rund 3.200 Euro kosten. Beim Arbeitnehmer kämen davon etwa 1.800 Euro an. Ferrer fordert deshalb eine Debatte über die Besteuerung von Arbeit.
Die Inflation in der Branche liege nahe vier Prozent. Unter diesen Bedingungen werde es immer schwieriger, Kostensteigerungen nicht an die Gäste weiterzugeben.
Klassisches Mittagsmenü verliert seine Grundlage
Besonders sichtbar werde die Entwicklung beim traditionellen menú del día. Ein Mittagsmenü, das früher 17 Euro kostete, müsste Ferrer zufolge heute für 30 oder 35 Euro angeboten werden, um eine ähnliche Rendite zu erzielen.
Damit verliere das Angebot jedoch seinen bisherigen Reiz. Ein gewöhnliches Menü aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert würde preislich in einen Bereich rücken, den viele Gäste nicht mehr akzeptieren.
Ferrer weist auch auf zahlreiche Betriebsschließungen hin. Neben bekannten Lokalen, über deren Ende öffentlich berichtet werde, verschwänden jedes Jahr viele kleinere Bars und Restaurants weitgehend unbemerkt.
Tourismusrekorde garantieren keine Wertschöpfung
Die Balearen haben im ersten Halbjahr 2026 bereits die Marke von acht Millionen Touristen überschritten. Im vergangenen Jahr kamen laut Ferrer 19 Millionen Gäste. Für 2026 seien 20 Millionen im Gespräch.
Eine feste Obergrenze für Besucher hält er innerhalb der Europäischen Union nicht für realistisch. Entscheidend seien die vorhandenen Übernachtungsplätze sowie die Kontrolle von Airbnb-Angeboten, illegaler Ferienvermietung und bestehenden touristischen Betten.
Ferrer plädiert für einen Wandel über zehn Jahre. Die Playa de Palma zeige, dass sich ein Gebiet von Billig- und All-inclusive-Angeboten hin zu hochwertigeren Hotels und zahlungskräftigeren Gästen entwickeln könne. Sein Ziel seien nicht zwingend mehr Kunden, sondern weniger Gäste mit höherer Ausgabebereitschaft.
Bedeutung für Urlauber und Residenten
Urlauber müssen damit rechnen, dass Restaurantpreise auf Mallorca hoch bleiben. Günstige Mittagsmenüs könnten seltener werden, weil sie sich aus Sicht vieler Betriebe nicht mehr rechnen.
Auch Residenten sind betroffen. Gerade preiswerte Angebote, die früher zum Alltag gehörten, geraten unter Druck. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass volle Strände und steigende Ankunftszahlen allein wenig darüber aussagen, wie gut die lokale Wirtschaft tatsächlich verdient.
Redaktion Spanienleben.de
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Veröffentlicht am 23. August 2026
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