Kanarisches Wohnungsinstitut gab zur Jahresmitte erst 12,8 Prozent aus
Trotz angespannter Wohnungslage kommt der Mitteleinsatz nur langsam voran. Noch wurde 2026 kein Auftrag für den Bau öffentlicher Wohnungen vergeben.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
Das Kanarische Wohnungsinstitut ICAVI hat in der ersten Hälfte des Jahres nur 12,8 Prozent seines Budgets ausgegeben. Von 219,2 Millionen Euro flossen bis dahin 28,1 Millionen Euro ab.
Unter den autonomen Einrichtungen und öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Regionalregierung ist das der zweitniedrigste Wert. Nur das kaum aktive Consorcio de El Rincón lag mit 5,01 Prozent noch darunter.
Auch das von Pablo Rodríguez von der Coalición Canaria geführte Ressort für öffentliche Arbeiten, Wohnungswesen und Mobilität blieb zurück. Es setzte 83 Millionen Euro von insgesamt 525,9 Millionen Euro ein. Das entspricht 15,7 Prozent.
Niedrige Halbjahresquote ist nicht neu
Die Zwischenbilanz fällt schwach aus. Allerdings zeigen die Vorjahre, dass ein niedriger Stand zur Jahresmitte nicht zwangsläufig eine ebenso geringe Jahresquote bedeutet.
Im vergangenen Jahr hatte das ICAVI nach sechs Monaten 11,8 Prozent seiner Mittel ausgegeben. Zum Jahresende erreichte es 89 Prozent. Im Jahr 2024 stieg die Quote von 15,3 Prozent zur Jahresmitte auf 90,3 Prozent zum Jahresabschluss.
Ein ähnliches Muster zeigte sich im zuständigen Ministerium. Dort erhöhte sich der Mitteleinsatz 2025 von 21,4 Prozent nach sechs Monaten auf 82,9 Prozent am Jahresende. Im Jahr 2024 ging es von 12,75 Prozent auf 71,92 Prozent.
Noch kein Bauauftrag vergeben
Das ICAVI wollte zu Jahresbeginn vier Projekte für öffentliche Wohnungen ausschreiben. Bislang wurde jedoch kein Auftrag für den Bau eines dieser Vorhaben vergeben.
Eine geplante Anlage mit 133 öffentlichen Wohnungen auf Teneriffa fand keinen Anbieter. Für die Ausschreibung ging kein Angebot ein.
Fortschritte gibt es bei Sanierungen und Verwaltungsleistungen. Das Institut schloss mit Fachadas Dimurol einen Vertrag über 1,67 Millionen Euro. Damit sollen 88 Wohnungen im Stadtteil Añaza in Santa Cruz de Tenerife energetisch saniert werden.
Außerdem erhielt Factoría, Gestión y Consultoría für etwas mehr als eine halbe Million Euro einen Auftrag. Das Unternehmen soll das ICAVI bei der Verwaltung des Registers für Bewerber um geschützten Wohnraum unterstützen.
Mehr als 34.000 Menschen im Register
Im kanarischen Register für geschützten Wohnraum sind mehr als 34.000 Menschen eingetragen. Das ICAVI räumte in den Unterlagen zur Ausschreibung einen „offensichtlichen und nachgewiesenen“ Personalmangel bei der Bearbeitung ein.
Von den 221 vorgesehenen Stellen des Instituts sind nach der jüngsten Stellenübersicht 54 unbesetzt. Der bisherige externe Unterstützungsvertrag mit 22 Beschäftigten lief am 7. August 2026 aus.
Im Jahr 2025 bearbeitete der Dienstleister 17.863 Informations- und Beratungsanfragen. Hinzu kam direkte Unterstützung bei 13.263 Anträgen auf Eintragung in das Register.
Für den neuen Auftrag hält die Regionalregierung 13 Beschäftigte für ausreichend. Begründet wird das mit den vereinfachten Abläufen nach der Neuregelung des Registers.
Neue Regeln für die Wohnungsvergabe
Das neue Register schafft das Losverfahren bei der Vergabe öffentlicher Wohnungen ab. Wer eine geschützte Wohnung beantragen will, muss zudem zwölf Jahre Verwurzelung auf den Kanaren nachweisen. Soziale Organisationen kritisierten diese Vorgabe als „diskriminierend und ineffizient“.
Die Regionalregierung rechnet dennoch mit einem „deutlichen Anstieg“ der Eintragungen. Als Gründe nennt sie die vereinfachte Verwaltung und höhere Einkommensgrenzen für den Zugang zu geschütztem Wohnraum.
Die neuen Unterstützungskräfte sollen Bürger informieren, Anträge bearbeiten und bei der Vergabe neu gebauter Wohnungen helfen. Sie sollen zudem Kommunen unterstützen und ältere, noch offene Verfahren abschließen.
Bedeutung für Bewerber und Residenten
Für Menschen auf Gran Canaria und den übrigen Inseln bedeutet die geringe Halbjahresquote zunächst, dass viele eingeplante Mittel noch nicht praktisch wirksam geworden sind. Besonders deutlich ist das bei Neubauten, weil bislang kein Bauauftrag vergeben wurde.
Wer auf eine geschützte Wohnung wartet, muss zugleich mit Änderungen im Register rechnen. Entscheidend sind die neue Voraussetzung von zwölf Jahren Verwurzelung, der Wegfall des Losverfahrens und die erweiterten Einkommensgrenzen. Offene Anträge sollen mit externer Unterstützung weiterbearbeitet werden.
Quelle
Canarias Ahora (elDiario.es) – „El Instituto Canario de la Vivienda solo ejecutó el 12% de su presupuesto en la primera mitad del año“
https://www.eldiario.es/canariasahora/politica/instituto-canario-vivienda-ejecuto-12-presupuesto-primera-mitad-ano_1_13460572.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 23. August 2026
Unsere RedaktionsleitlinienArtikel teilen
Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?
Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang
Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
