Kanaren planen 1,272 Milliarden Euro für Wälder – Zusagen fehlen
Die neue Forststrategie soll 21 Jahre lang Investitionen in Brandschutz, Aufforstung und Waldpflege lenken. Frühere Pläne wurden jedoch kaum umgesetzt.

Forstarbeiter beschneiden Bäume in einem Waldgebiet auf den Kanaren zur Vorbeugung von Bränden
Inhaltsverzeichnis
Die Kanaren wollen in den kommenden 21 Jahren insgesamt 1,272 Milliarden Euro in ihre Wälder investieren. Das Geld ist unter anderem für den Schutz vor Waldbränden, die Wiederherstellung geschädigter Flächen und Aufforstungen vorgesehen.
Der fast 1.000 Seiten starke Forstplan enthält jedoch keine verbindlichen Verpflichtungen. Seine Umsetzung hängt von späteren Gesetzen, Planungen und konkreten technischen Projekten ab.
Das ist besonders relevant für waldreiche Inseln wie Gran Canaria. Steigende Temperaturen, trockene Böden und eine geringere Neubildung von Grundwasser verschärfen dort das Risiko großer Waldbrände.
405 Millionen Euro in den ersten sieben Jahren
Für die ersten sieben Jahre sieht der Plan Investitionen von 405 Millionen Euro vor. Die kanarische Regierung setzt dabei auf eine „nachhaltige aktive“ Waldbewirtschaftung statt auf einen rein passiven Schutz der Flächen.
Die größte Position bilden mit 115 Millionen Euro die Vorbeugung, Bekämpfung und Nachsorge von Waldbränden. Für Aufforstungen, genetische Ressourcen und die Pflanzenproduktion sind 78,5 Millionen Euro vorgesehen.
Weitere 47 Millionen Euro sollen in Forstwege, Wanderwege und öffentlich nutzbare Flächen fließen. Für eine an veränderte Klimabedingungen angepasste Waldpflege sind 45,2 Millionen Euro eingeplant.
Insgesamt gelten 77,68 Prozent der Fläche der Autonomen Gemeinschaft als forstwirtschaftlich genutzt. Der Plan soll deren ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen miteinander vereinbaren.
Empfehlungen statt verbindlicher Vorgaben
Der Plan bezeichnet seine Vorschläge und Empfehlungen ausdrücklich als „nicht verbindlich“. Aus ihm können später weitere Pläne, Projekte oder Vorschriften entstehen. Automatisch gelten die Maßnahmen aber nicht.
Die von Coalición Canaria und Partido Popular geführte Regionalregierung begründet dies mit bestehenden Regelwerken. Dazu gehören die Planungen für geschützte Naturräume und die Gebiete des europäischen Netzes Natura 2000.
Die neue Strategie soll diese Instrumente weder verändern noch außer Kraft setzen. Einzelne Vorhaben müssen deshalb jeweils über das zuständige rechtliche Verfahren beschlossen werden.
Mehr Geld fließt bislang in die Brandbekämpfung
Der Entwurf trennt nicht genau zwischen den Ausgaben für Vorbeugung und Brandbekämpfung. Fast das gesamte dafür vorgesehene Budget soll an den technischen Dienst gehen. Dazu zählen Löschkräfte, Stützpunktpersonal, Luftfahrzeuge sowie die Einsatz- und Verstärkungsteams EIRIF.
Damit bleiben Zweifel an der Gewichtung. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen empfiehlt, zwei Drittel des Budgets für Prävention und Planung einzusetzen. Nur ein Drittel sollte demnach in die Brandbekämpfung fließen.
Auf den Kanaren war das Verhältnis bislang nahezu umgekehrt. Historisch gingen laut Regierung 76 Prozent der Mittel in das Löschen und nur 25 Prozent in aktive Vorbeugung.
Im Jahr 2024 wurden 25,8 Millionen Euro investiert. Davon entfielen 17 Millionen Euro auf die Brandbekämpfung. Allein die Hubschrauber der Generaldirektion für Notfälle kosteten 11,2 Millionen Euro. Für Prävention blieben 4,6 Millionen Euro.
Frühere Strategie nur zu elf Prozent umgesetzt
Der bisherige, 1999 verabschiedete Forstplan war bis 2026 angelegt. Trotzdem wurden nur 11 Prozent seiner Maßnahmen verwirklicht. Weitere Programme wurden nicht fortgeführt.
Der neue Plan muss zudem erhebliche strukturelle Probleme bewältigen. Bei den Umweltbeamten fehlt Personal. Der Nachwuchs kommt nicht rechtzeitig nach, sodass Waldflächen teilweise nur unzureichend überwacht und betreut werden.
Die Zahl der Beschäftigten im Brandschutz steigt im Sommer zwar zeitweise auf das Dreifache. Der Ausgleich der in der Hochrisikosaison geleisteten Stunden führt jedoch dazu, dass im Winter Personal für vorbeugende Arbeiten fehlt.
Hinzu kommt die kleinteilige Eigentumsstruktur. Rund 83 Prozent der Waldfläche befinden sich in privater Hand. Viele Eigentümer haben wegen der Landflucht kaum noch Verbindung zur Bewirtschaftung ihrer Grundstücke.
Auch statistische Daten sind auf verschiedene Stellen verteilt oder veraltet. Der Plan kritisiert außerdem die geringe Abstimmung zwischen den Inselverwaltungen. Als mögliche Geldquellen nennt er Mittel der Regionalregierung und der Cabildos sowie europäische Programme wie FEDER Canarias 2021-2027 und Next Generation.
Quelle
Canarias Ahora (elDiario.es) – „El plan de Canarias para combatir los incendios y cuidar el monte: 1.272 millones sin compromisos vinculantes“
https://www.eldiario.es/canariasahora/ciencia_y_medio_ambiente/plan-canarias-combatir-incendios-cuidar-monte-1-272-millones-compromisos-vinculantes_1_13464493.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 25. August 2026
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