Extrem warmes Mittelmeer erhöht das Risiko heftiger Herbststürme
Klimaforscher beobachten Rekordwerte in den Ozeanen und einen besonders starken El Niño. Entscheidend wird, wie warm das Mittelmeer bis Oktober bleibt.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Dunkle Gewitterwolken über dem ungewöhnlich warmen Mittelmeer vor der spanischen Küste
Inhaltsverzeichnis
Die außergewöhnlich hohen Meerestemperaturen erhöhen in Spanien das Risiko schwerer Unwetter in den kommenden Monaten. Klimaforscher halten eine gefährliche DANA wie im Herbst 2024 für wahrscheinlicher, sagen ein solches Ereignis aber nicht voraus.
Besonders aufmerksam beobachten Fachleute das Mittelmeer. Westlich von Mallorca maß eine Boje in diesem Sommer den Rekordwert von 33,2 Grad.
Ob daraus im Herbst tatsächlich heftige Stürme entstehen, hängt von mehreren Wetterfaktoren ab. Entscheidend wird sein, ob die Wärmeabweichungen bis Oktober bestehen bleiben.
Rekordwärme in den Ozeanen
Am 22. August erreichte die durchschnittliche Temperatur an der Oberfläche der Weltmeere 21,1 Grad. Das war der höchste Tageswert seit Beginn der Messungen.
Seit 2023 liegt die globale Erwärmung zeitweise bei 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Epoche. In den Ozeanen entspricht dies ungefähr einem zusätzlichen Grad.
Der Ozeanograf Carlos Duarte verdeutlicht die Größenordnung. Ein Grad Erwärmung in den oberen 100 Metern des Ozeans entspreche 1,5 mal 10 hoch 23 Joule. Das seien etwa 250- bis 300-mal so viel wie der jährliche Energieverbrauch der Menschheit.
Diese zusätzliche Energie belastet auch die Meeresökosysteme. Zu den Folgen zählen Korallenbleiche, schädliche Algenblüten, das Sterben von Arten sowie Veränderungen bei Lebensräumen und Fischbeständen.
Warmes Wasser liefert Stürmen mehr Energie
Für Spanien ist vor allem der Einfluss auf die Atmosphäre wichtig. Über warmem Wasser verdunstet mehr Feuchtigkeit. Entsteht eine passende Wetterlage, kann diese zusätzliche Energie Niederschläge und Gewitter verstärken.
Juan Jesús González Alemán, Meteorologe bei der staatlichen Wetterbehörde Aemet und Klimaforscher, beschreibt das warme Meer als zusätzlichen und hochwertigeren „Treibstoff“ für Stürme. Nach seiner Einschätzung steigen damit die Chancen, dass Spanien erneut ein schweres Ereignis wie 2024 erlebt.
Bei der damaligen DANA starben mehr als 230 Menschen. Untersuchungen, an denen González Alemán beteiligt war, befassten sich damit, wie die Erwärmung dieses Extremereignis verstärkte.
Die hohen Temperaturen können auch andere ungewöhnliche Entwicklungen begünstigen. Eine Tiefdruckzone westlich der Iberischen Halbinsel zeigte zuletzt zeitweise Merkmale der Entstehung eines tropischen Wirbelsturms. Ein solcher Sturm bildete sich nicht, doch González Alemán hält diese Möglichkeit nahe Spanien zunehmend für weniger ausgeschlossen.
Super-El-Niño verschärft die Unsicherheit
Zusätzlich wirkt 2026 ein besonders starker El Niño. Dieses natürliche Phänomen erwärmt das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik und beeinflusst Wetter und Landwirtschaft in vielen Regionen.
Forscher sprechen in diesem Jahr von einem ungewöhnlich kräftigen „Super-El-Niño“. Seine Wirkung hat nach Einschätzung der Fachleute gerade erst begonnen und könnte in den kommenden Monaten zunehmen.
Der Einfluss auf Spanien ist jedoch nicht geradlinig. El Niño kann auch Tiefdruckrinnen und Regenlagen fördern, die das Mittelmeer vor dem Herbst wieder abkühlen. Ein heißer August bedeutet deshalb nicht automatisch einen ebenso warmen Oktober.
Sollten die hohen Wärmeabweichungen im Oktober fortbestehen, könnten Stürme laut González Alemán deutlich heftiger ausfallen. Für eine DANA braucht es neben warmem Wasser jedoch eine passende Höhenströmung und weitere atmosphärische Bedingungen.
Anpassung wird immer wichtiger
Eine konkrete DANA lässt sich Monate im Voraus nicht seriös ankündigen. Die Rekordtemperaturen verändern aber die Ausgangslage und vergrößern das mögliche Schadenspotenzial.
González Alemán kritisiert, dass bei der Anpassung an extreme Wetterereignisse nicht mehr getan werde. Dazu gehören belastbare Warnsysteme, vorbereitete Kommunen und ein vorsichtiger Umgang mit gefährdeten Überschwemmungsgebieten.
Für Bewohner Spaniens bleibt es wichtig, im Herbst kurzfristige Warnungen von Aemet und den regionalen Behörden zu verfolgen. Bei Starkregen entscheiden die genaue Zugbahn und Intensität eines Systems oft erst wenige Tage oder Stunden vorher über die tatsächliche Gefahr.
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 01. September 2026
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