Durchschnittsgehalt reicht oft nicht mehr für 75 Quadratmeter
Eine europäische Studie zeigt große regionale Unterschiede beim Zugang zu Wohnraum. In Spanien sind vor allem Madrid und die Küstengebiete angespannt.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Mehrstöckige Wohnhäuser in Madrid als Symbol für die hohen Immobilienpreise in Spanien
Inhaltsverzeichnis
Ein Durchschnittsgehalt genügt in weiten Teilen Europas nicht mehr für eine familiengerechte Eigentumswohnung. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben in Regionen, in denen sich eine Person mit mittlerem Einkommen keine Wohnung mit mehr als 75 Quadratmetern leisten kann. Das gilt selbst bei einer Hypothek mit 30 Jahren Laufzeit.
In Spanien zeigt sich dabei eine besonders große Kluft zwischen den Regionen. Madrid und die angrenzenden Gebiete fallen durch hohe Preise auf. Auch an den Küsten treiben Tourismus und Zweitwohnungen die Kosten weit über die örtlichen Einkommen.
Die Ergebnisse stammen von Franziska Sielker und Selim Banabak von der Technischen Universität Wien. Ihre Untersuchung erscheint im wissenschaftlichen Journal of Maps.
Mehr als 22 Millionen Angebote untersucht
Die Forscher werteten mehr als 22 Millionen Immobilienangebote aus 31 europäischen Ländern aus. Statt nationaler Durchschnittswerte betrachteten sie die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen.
Als Maßstab diente eine Wohnung mit 75 Quadratmetern. Diese Größe steht in der Studie für eine übliche Familienwohnung mit zwei Schlafzimmern. Für 72 Prozent der Menschen in Europa ist der Kauf einer größeren Wohnung bei einem mittleren Einkommen rechnerisch nicht möglich.
Die Berechnung folgt einer verbreiteten Belastungsgrenze. Demnach sollte ein Haushalt nicht mehr als ein Drittel seines Einkommens für das Wohnen ausgeben. Nur fünf Prozent der europäischen Bevölkerung leben in Gebieten, in denen auch größere Immobilien innerhalb dieser Grenze finanzierbar sind.
Großstädte besonders schwer zugänglich
Noch deutlicher ist die Lage in den europäischen Städten. Dort leben 60 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, in denen das Durchschnittsgehalt nicht einmal für den Kauf einer Wohnung mit 50 Quadratmetern ausreicht. Gemeint ist eine Finanzierung über eine übliche Hypothek.
Europaweit wohnen 44 Prozent der Menschen in Regionen mit diesem besonders hohen Niveau der Unbezahlbarkeit. Eine Fläche von 50 Quadratmetern entspricht ungefähr einer Wohnung mit einem Schlafzimmer oder einem Studio.
Der Kauf einer Wohnung wird damit gerade für mittlere Einkommen schwieriger. Die Immobilienpreise sind seit mehr als einem Jahrzehnt deutlich schneller gestiegen als die Einkommen vieler Haushalte.
Spanien zwischen Madrid und den Küsten
Die Studie erstellt keine genaue Rangliste der Länder. Spanien wird jedoch als Beispiel für eine starke räumliche Ungleichheit genannt. Die Bezahlbarkeit unterscheidet sich erheblich zwischen einzelnen Landesteilen.
Madrid bildet einen Schwerpunkt hoher Preise. Die Anspannung reicht laut der Untersuchung auch in die umliegenden Gebiete hinein. Ein zweiter Schwerpunkt liegt an den Küsten.
Dort erhöhen touristische Nachfrage und Zweitwohnungen den Druck auf den Markt. Die Preise entfernen sich dadurch vielerorts von den Einkommen der ansässigen Bevölkerung. Vergleichbare Auswirkungen des Tourismus beobachten die Forscher auch in Frankreich, Portugal, Griechenland und Kroatien.
Durchschnittswerte können die Lage beschönigen
Die Berechnungen beruhen auf dem regionalen Durchschnittsgehalt. Dieser Wert bildet die tatsächliche Einkommensverteilung jedoch nur eingeschränkt ab. Wenige sehr hohe Einkommen können den Mittelwert anheben.
Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung weniger als das verwendete Referenzeinkommen verdient. Die reale Lage könnte somit angespannter sein, als die Karten der Studie zeigen. Nach Einschätzung der Autoren kann die Stärkung der Einkommen ebenso wichtig sein wie eine Begrenzung der Wohnkosten.
Zudem untersucht die Studie aktuelle Angebotspreise. Sie sagt nicht aus, wie viel bestehende Eigentümer für ihre Hypothek zahlen oder welche Mieten in laufenden Verträgen gelten. Abgebildet werden die Bedingungen, die Wohnungssuchende derzeit auf dem Markt vorfinden.
Bedeutung für Käufer und Residenten
Wer aktuell in Spanien kaufen möchte, sollte regionale Durchschnittspreise und das örtliche Einkommensniveau getrennt betrachten. Besonders in Madrid, im Umland der Hauptstadt und an beliebten Küsten ist mit einer hohen finanziellen Belastung zu rechnen.
Auch beim Mieten bleibt der Spielraum begrenzt. Vier von zehn Menschen in Europa leben laut Studie in Gegenden, in denen selbst die Miete für eine Einzimmerwohnung oder ein 50 Quadratmeter großes Studio die angesetzte Belastungsgrenze überschreitet. Für Residenten und Zuziehende bedeutet das, dass Lage, Wohnfläche und verfügbares Einkommen schon vor der Suche realistisch aufeinander abgestimmt werden sollten.
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 03. September 2026
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