Barcelona bringt Taschendiebe binnen zehn Tagen vor Gericht
Ein zusätzliches Gericht und eine bessere Koordination haben die Verfahren deutlich beschleunigt. Wiederholungstätern drohen dadurch früher schärfere Strafen.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Beamte der Guardia Urbana kontrollieren einen Verdächtigen in einer belebten Straße im Zentrum von Barcelona
Inhaltsverzeichnis
Barcelona bringt mutmaßliche Taschendiebe und andere Täter leichter Delikte deutlich schneller vor Gericht. Zwischen Tat und Verhandlung liegen inzwischen im Schnitt rund zehn Tage. Zuvor dauerte es etwas mehr als acht Monate.
Die kürzeren Fristen sollen besonders gegen Mehrfachtäter wirken. Rechtskräftige Urteile können nun schneller bei späteren Verfahren berücksichtigt werden.
Für Besucher bedeutet das nicht, dass Taschendiebstähle verschwinden. Geschädigte und Zeugen müssen aber eher damit rechnen, bereits kurz nach einer Anzeige für ein Verfahren gebraucht zu werden.
Drittes Gericht beschleunigte die Verfahren
Im März 2025 nahm in der Ciutat de la Justícia ein drittes Bereitschaftsgericht für sofortige Verfahren wegen leichter Delikte seine Arbeit auf. Es ergänzte zwei bereits bestehende Gerichte und war zunächst für jeweils sechs Monate vorgesehen.
Verhandelt werden dort unter anderem Diebstähle von Gegenständen mit einem Wert unter 400 Euro. Auch leichte Körperverletzung, Drohungen und Nötigung fallen in diesen Bereich.
Jedes der drei Gerichte setzte täglich 24 Verhandlungen an. Zusammen waren damit bis zu 72 Verfahren pro Tag möglich. Insgesamt finden in Barcelona jährlich rund 18.000 solcher Verhandlungen statt.
Das ursprüngliche Ziel war eine Verkürzung der Wartezeit auf etwa einen Monat. Mit aktuell rund zehn Tagen wurde diese Vorgabe deutlich übertroffen. Dazu trugen laut Justizverwaltung auch besser abgestimmte Terminkalender und die zuletzt gesunkene Zahl registrierter Straftaten bei.
Schnellere Urteile treffen Mehrfachtäter früher
Die Verfahren dauern häufig nur wenige Minuten. Sind viele Zeugen beteiligt, kann es länger dauern. Manche Verhandlungen finden auch ohne den Angeklagten statt. Das Urteil kann noch im selben Termin ergehen.
Kurze Fristen sind bei wiederholten Diebstählen besonders wichtig. Wer drei rechtskräftige Verurteilungen wegen vergleichbarer Taten angesammelt hat, muss bei einem weiteren Delikt unter bestimmten Voraussetzungen statt einer Geldstrafe mit Haft rechnen. Bei Diebstahl sind dann sechs bis 18 Monate Gefängnis möglich.
Wenn Urteile schneller rechtskräftig werden, können sie früher für eine Strafverschärfung herangezogen werden. Auch die Aussagen von Zeugen können verlässlicher sein, weil das Geschehen noch frisch in Erinnerung ist.
Zusätzliches Bereitschaftsgericht vorerst gestoppt
Das dritte Gericht war als vorübergehende Verstärkung eingerichtet worden und arbeitete 18 Monate lang. Die katalanische Justizverwaltung hat seine Verlängerung mit Zustimmung des Tribunal Superior de Justicia de Catalunya vorerst gestoppt.
Die beiden verbleibenden Gerichte sollen die neuen Fälle übernehmen, da die Rückstände derzeit abgearbeitet sind. Sollte die Zahl der Verfahren wieder steigen, kann diese Entscheidung überprüft werden.
Der Ausbau war Teil eines gemeinsamen Plans von spanischer Regierung, Generalitat und Stadt Barcelona. Neben dem dritten Bereitschaftsgericht entstanden vier weitere Gerichte für beschleunigte Strafverfahren bei schwereren Delikten. Barcelonas Gerichte schlossen 2025 etwas mehr als 13.000 solcher Schnellverfahren ab.
Aufenthaltsverbote und erste Untersuchungshaft
Barcelonas Gerichte setzen inzwischen in bestimmten Fällen auch Aufenthaltsverbote für einzelne Stadtteile oder Orte ein. Mehreren Personen wurde etwa der Zutritt zum Flughafen El Prat untersagt. Diese Auflagen sollen verhindern, dass Verdächtige dort erneut Straftaten begehen.
In einem weiteren Fall ordnete ein Gericht erstmals Untersuchungshaft im Zusammenhang mit Mehrfachkriminalität an. Betroffen war ein Mann mit 34 rechtskräftigen Verurteilungen wegen Eigentumsdelikten. Die meisten Taten soll er am Strand Somorrostro begangen haben.
Bedeutung für Urlauber und Residenten
Wer einen Diebstahl beobachtet oder selbst betroffen ist, sollte ihn weiterhin sofort bei der Polizei melden. Belege, Seriennummern, Ort und genaue Uhrzeit können die Ermittlungen erleichtern. Nach einer Anzeige sollten Betroffene außerdem Kontaktdaten hinterlassen, unter denen sie kurzfristig erreichbar sind.
Die schnelle Terminierung kann für Urlauber praktisch, aber auch organisatorisch wichtig sein. Eine Verhandlung könnte noch während des Aufenthalts stattfinden. Ob eine persönliche Aussage nötig ist, entscheiden Polizei und Justiz im Einzelfall.
Die neuen Abläufe ersetzen nicht die übliche Vorsicht. Wertsachen sollten besonders an Stränden, in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Sehenswürdigkeiten und am Flughafen nah am Körper getragen werden.
Quelle
El Periódico, Metrópoli Abierta
https://www.elperiodico.com/es/sociedad/20260906/multireincidencia-juicios-inmediatos-hurtos-barcelona-133950625
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 06. September 2026
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