Badalona: Immer mehr Ladenlokale werden als Wohnung genutzt
Die Wohnungsnot im Großraum Barcelona wird in Badalona besonders sichtbar. Auch die Zahl stark überbelegter Wohnungen nimmt deutlich zu.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Als Wohnraum genutztes ehemaliges Ladenlokal im Stadtteil Sant Roc in Badalona
Inhaltsverzeichnis
In Badalona werden immer mehr Ladenlokale faktisch als Wohnungen genutzt. Im Januar 2026 waren unter 292 solchen Adressen Menschen im Melderegister eingetragen.
Im März 2023 waren es noch 131 Ladenlokale. Das entspricht einem Anstieg um 122 Prozent innerhalb von weniger als drei Jahren.
Gleichzeitig wächst die Zahl stark belegter Wohnungen. In 426 Wohnungen waren Anfang 2026 mindestens zehn Personen gemeldet. Im März 2023 traf das auf 266 Wohnungen zu.
Wohnungsnot wird in Sant Roc sichtbar
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung im Stadtteil Sant Roc. Dort lebt Bogdan seit etwa zwei Jahren mit seiner Frau und seinem Sohn in einer ehemaligen Obsthandlung. Eine aufgehängte Bettdecke dient als Eingangstür.
Das Ladenlokal hat inzwischen einen neuen Eigentümer. Die Familie rechnet damit, die Räume bald verlassen zu müssen. Danach will sie zunächst in einem Lieferwagen unterkommen, bis sie wieder ein Dach über dem Kopf findet.
Bogdan ist zwar unter der Adresse eines Ladenlokals gemeldet, schläft aber nicht dort. Seine offizielle Anschrift ist ein anderes, wenige Meter entferntes Geschäftslokal, in dem seine Schwiegermutter lebt. Das Beispiel zeigt, dass die Registerdaten die tatsächlichen Wohnverhältnisse nur eingeschränkt abbilden.
In Sant Roc dienen frühere Geschäfte nicht nur als Unterkunft. Manche Bewohner lagern dort auch gesammelten Schrott, bevor sie ihn verkaufen. Nach Angaben aus der Nachbarschaft wird zudem eine ehemalige Cafeteria gerade für eine Nutzung als Wohnraum umgebaut.
Mehrere Familien teilen sich frühere Geschäfte
Carles Sagués von der Organisation Badalona Acull beobachtet eine zunehmende Unterteilung von Ladenlokalen. Teilweise entstünden darin zehn oder zwölf kleine Bereiche. Für jeden einzelnen Raum werde Geld verlangt.
William lebt seit 2020 in einem ehemaligen Geschäft in Sant Roc. Trockenbauwände teilen das Lokal in sechs Abteile. Er wohnt seit mehr als zwei Jahrzehnten im Großraum Barcelona und sammelt ebenfalls Schrott.
Eine reguläre Wohnung zu finden und die Miete zu bezahlen, sei unmöglich, berichtet William. Ohne Arbeitsvertrag verschärfe sich die Lage zusätzlich.
Auch reguläre Wohnungen sind häufiger überbelegt
Die Entwicklung betrifft nicht nur Geschäftsräume. Die Zahl der Wohnungen mit mindestens zehn gemeldeten Bewohnern stieg zwischen März 2023 und Januar 2026 um 60 Prozent. Sie erhöhte sich von 266 auf 426.
Rosa del Amo, dritte stellvertretende Bürgermeisterin von Badalona, sieht darin ein Zeichen für das Scheitern der Wohnungsbaupolitik von Zentralregierung und Regionalregierung. Sie kritisiert zugleich die geltenden Regeln für das Melderegister. Dieses bilde aus ihrer Sicht nicht zuverlässig ab, wie viele Menschen tatsächlich in der Stadt leben.
Die hohe Mobilität erschwert den Überblick zusätzlich. In den Jahren 2023 und 2024 verzeichnete Badalona jeweils mehr als 60.000 Änderungen im Melderegister. Ende 2023 gab es 2.516 Abmeldungen wegen unzulässiger Einträge, ein Jahr später waren es 2.093.
Anmeldung sichert Zugang zu sozialen Hilfen
Für Menschen in einer Wohnungsnotlage ist die Anmeldung dennoch entscheidend. Ohne Eintrag im Melderegister können sie grundlegende soziale Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Beratungsstellen prüfen deshalb zunächst, ob Hilfesuchende angemeldet sind.
Wer kein Dokument zum Nutzungsrecht an einer Unterkunft vorlegen kann, muss eine Überprüfung des tatsächlichen Wohnsitzes beantragen. Die Stadt kann dafür unter anderem Berichte der Guardia Urbana oder der kommunalen Inspektion heranziehen. Die Zahl dieser Anträge stieg von 505 im Jahr 2022 auf 1.178 im Jahr 2025.
Menschen ohne feste Unterkunft können unter bestimmten Voraussetzungen unter der Adresse einer städtischen Einrichtung geführt werden. Dafür muss feststehen, dass sie in Badalona leben und von den Sozialdiensten begleitet werden. Zum 1. Januar 2026 waren auf diese Weise 469 Menschen gemeldet.
Persönliche Schicksale hinter den Zahlen
Bogdan ist wegen eines gutartigen Tumors bereits siebenmal operiert worden. Ein Eingriff erfolgte in seinem Herkunftsland Rumänien, die übrigen im Krankenhaus Can Ruti. Mindestens eine weitere Operation steht noch aus.
Bei ihm ist ein Grad der Behinderung von 67 Prozent anerkannt. Die Sozialdienste unterstützen ihn bei Anträgen auf Hilfen und bei der Aufnahme in das städtische Verfahren für Wohnungsnotfälle.
Nach Ansicht von Pepe Sánchez, Präsident des Nachbarschaftsverbands Coordinadora Veïnal del Baix Besòs, sind Wohnverhältnisse mit acht oder mehr Menschen auf 60 Quadratmetern nicht würdig. Der Eintrag im Melderegister könne Betroffenen aber den Weg zu grundlegenden Rechten und zu einer Verbesserung ihrer Lage öffnen.
Quelle
El Periódico
https://www.elperiodico.com/es/barcelona/20260901/locales-badalona-usados-vivienda-duplica-tres-anos-292-10-empadronados-133636113Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 01. September 2026
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