Alicante: Wohnen im früheren Ladenlokal zum halben Kaufpreis
Ehemalige Geschäfte werden in mehreren Stadtteilen zu Wohnungen. Sie sind oft günstiger, bringen aber Nachteile bei Licht, Lüftung, Hitze und Lärm.

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
In Alicante werden immer mehr frühere Ladenlokale zu Wohnungen. Der wichtigste Grund sind die hohen Kaufpreise und Mieten in der Stadt.
Der Preisunterschied kann erheblich sein. Umgebaute Erdgeschosslokale werden in manchen Vierteln für 80.000 Euro angeboten, während normale Wohnungen dort nicht unter 160.000 Euro zu finden sind.
Auch bei den Mieten gibt es deutliche Abstände. Für solche Unterkünfte werden teils 600 Euro im Monat verlangt, wo andere Wohnungen mindestens 850 Euro kosten. Der niedrigere Preis geht jedoch häufig mit weniger Licht, schlechterer Lüftung, Hitze und Straßenlärm einher.
Umbau ist nur mit Genehmigung erlaubt
Ein früheres Geschäft darf nicht ohne Weiteres als Wohnung genutzt werden. Der Eigentümer braucht eine genehmigte Nutzungsänderung und muss die Vorgaben der Stadt Alicante erfüllen.
Nach Angaben des Architekten Iván Valero erreichen viele Gewerberäume die vorgeschriebene Mindestgröße von 30 Quadratmetern Nutzfläche. Schwieriger sind die Anforderungen an Belüftung und Rauchabzug. Alte Bars bringen dafür oft bessere Voraussetzungen mit als andere Geschäfte.
Ein weiteres Hindernis ist natürliches Licht. Alle bewohnbaren Räume müssen entsprechend belichtet sein. Viele Lokale haben jedoch nur Fenster an der Straßenfassade. Innenhöfe reichen häufig lediglich bis zum Zwischengeschoss oder ersten Stock, weshalb nicht jeder Grundriss genehmigungsfähig ist.
Besonders sichtbar in drei Stadtteilen
Der Trend zeigt sich vor allem in Carolinas, El Pla und Francisco Albert. Immobilienfachleute berichten, der Verkauf ehemaliger Ladenlokale habe sich gegenüber der Situation vor zehn Jahren verdoppelt.
Die Räume waren früher Teil des traditionellen Einzelhandels. Eine Rückkehr vieler kleiner Geschäfte gilt in der Branche angesichts großer Einkaufszentren und veränderter Konsumgewohnheiten als wenig wahrscheinlich. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Wohnraum hoch.
Nicht jede Erdgeschosswohnung in Alicante ist allerdings ein umgebautes Geschäft. In Teilen der Zona Norte wurden Wohnblöcke bereits in den 1970er-Jahren mit regulär bewohnbaren Erdgeschossen errichtet.
Günstiger, aber nicht immer komfortabel
Die Erfahrungen der Bewohner fallen unterschiedlich aus. Ein Mann in der Calle General Aldave kaufte 2021 ein ehemaliges Lokal für 145.000 Euro. Eine normale Wohnung hätte nach seinen Angaben 200.000 Euro gekostet. Die 180 Quadratmeter große Unterkunft bietet einer vierköpfigen Familie allerdings nur zwei Schlafzimmer.
Juan Salvador lebt seit sieben Jahren in einem 70 Quadratmeter großen Erdgeschoss in der Calle Dagniol. Er bezeichnet die Immobilie wegen der Kosten für den gesetzeskonformen Umbau als finanzielles Desaster. Wohnzimmer, Bett und Küche befinden sich in einem gemeinsamen Raum. Hinzu kommen ein Schlafzimmer, ein Bad und ein Innenhof.
Fernando Cardozo zahlt in der Calle Olozaga 900 Euro für 80 Quadratmeter und drei Zimmer. Ihn stören vor allem der Straßenlärm und die Hitze. Dennoch ist er zufrieden, nach einem Jahr in Alicante überhaupt eine Unterkunft für seine Familie gefunden zu haben.
Familien leben auf engem Raum
In El Pla wohnt Fateh mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Teil des früheren Restaurants Pachá. Die Familie zahlt 750 Euro für 50 Quadratmeter. Weitere Umbauten gibt es unter anderem am Parque del Oliveral und in der Calle Gonzalo Mengual.
Im Viertel Francisco Albert kostet ein 65 Quadratmeter großes Lokal mit einem Schlafzimmer 700 Euro monatlich. Eine Gastronomiemitarbeiterin aus Madrid lebt mit ihrem Mann und ihrem Hund für 600 Euro auf 55 Quadratmetern. Sie vermisst vor allem eine Klimaanlage.
Joaquín Gracia, Vorsitzender des Nachbarschaftsvereins Carolinas Bajas, sieht nicht die Nutzungsänderung selbst als Problem. Für ihn zeigt die Entwicklung vielmehr die soziale Verwundbarkeit infolge der Wohnungskrise. Viele Bewohner entschieden sich nicht aus freien Stücken für ein ehemaliges Geschäft, sondern weil bezahlbare Alternativen fehlen.
Bedeutung für Wohnungssuchende
Ein ehemaliges Ladenlokal kann beim Kauf oder bei der Miete deutlich günstiger sein. Vor Vertragsabschluss sollten Interessenten jedoch prüfen, ob die Nutzungsänderung offiziell genehmigt wurde und die Immobilie rechtlich als Wohnung geführt wird.
Wichtig sind außerdem natürliches Licht, Lüftung, Wärmeschutz und die Geräuschbelastung an der Straße. Auch praktische Details können fehlen. Viele dieser Unterkünfte besitzen beispielsweise weiterhin keine Außenklingel, weil eine solche während der früheren gewerblichen Nutzung nicht nötig war.
Quelle
Diario Información – „Vivir en antiguos bajos comerciales, una práctica visible en barrios de Alicante“
https://www.informacion.es/videos/alicante/2026/08/24/vivir-antiguos-bajos-comerciales-practica-133544485.htmlRedaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 24. August 2026
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