Balearen: Mehr als 86.000 Menschen leben in schwerer Armut

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt
Inhaltsverzeichnis
- Was schwere Armut in diesem Bericht bedeutet
- Quote steigt von 5,4 auf 6,9 Prozent
- Allgemeines Armutsrisiko entwickelt sich günstiger
- Minderjährige sind besonders häufig betroffen
- Wohnkosten belasten viele Haushalte
- Statistik bildet nicht jede Notlage ab
- Warum sich die Kennzahlen unterschiedlich entwickeln
- Fazit: Gute Gesamtquote verdeckt eine Verschärfung
Mehr als 86.000 Menschen auf den Balearen lebten 2025 in schwerer Armut. Das geht aus dem Bericht „El Estado de la Pobreza 2026“ hervor, der am Freitag, 16. Oktober 2026, in Palma vorgestellt wurde. Während sich der allgemeine Indikator für Armut oder soziale Ausgrenzung verbesserte, stieg die Quote besonders extremer Einkommensarmut deutlich.
Auf den Balearen lebten im Jahr 2025 mehr als 86.000 Menschen in schwerer Armut. Das geht aus dem Bericht „El Estado de la Pobreza 2026“ hervor, der am Freitag, 16. Oktober 2026, in Palma vorgestellt wurde. Nach Angaben von Cadena SER stieg die Quote schwerer Armut innerhalb eines Jahres von 5,4 auf 6,9 Prozent.
Die Entwicklung steht im Kontrast zu einem anderen zentralen Ergebnis: Der Anteil der Menschen, die insgesamt von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, sank auf den niedrigsten Stand der balearischen Datenreihe. Der Bericht zeichnet damit kein einheitliches Bild, sondern zeigt eine Verbesserung des allgemeinen Indikators bei gleichzeitiger Verschärfung am unteren Ende der Einkommensverteilung.
Was schwere Armut in diesem Bericht bedeutet
Als schwer arm gelten nach der von Europa Press wiedergegebenen Definition Menschen, deren Einkommen unter 40 Prozent des mittleren Einkommens in Spanien liegt. Für eine alleinlebende Person bedeutet das ein monatliches Einkommen von weniger als 680 Euro. Davon müssen sämtliche grundlegenden Ausgaben wie Wohnen, Lebensmittel, Strom und Wasser bestritten werden.
Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt die im Bericht verwendete Schwelle bei weniger als 357 Euro pro Person und Monat. Die Zahlen beziehen sich auf die Erhebung zu den Lebensbedingungen im Jahr 2025. Vorgestellt wurden sie am Freitag, 16. Oktober 2026, durch EAPN Baleares in Palma.
Quote steigt von 5,4 auf 6,9 Prozent
Nach den von Radio Mallorca und Cadena SER veröffentlichten Angaben nahm die Quote schwerer Armut von 5,4 Prozent im Jahr 2024 auf 6,9 Prozent im Jahr 2025 zu. In absoluten Zahlen waren damit mehr als 86.000 Menschen betroffen.
Xavier Torrens, Präsident von EAPN Baleares, nannte bei der Präsentation nach Angaben von Europa Press zwei wesentliche Ursachen: die prekäre Lage beim Wohnen und die fehlende Absicherung von Einkommen. Diese Einordnung stammt von EAPN; der Bericht weist nicht aus, dass eine einzelne Ursache für alle betroffenen Haushalte gleichermaßen ausschlaggebend ist.
Allgemeines Armutsrisiko entwickelt sich günstiger
Beim umfassenderen AROPE-Indikator verzeichneten die Balearen dagegen einen besseren Wert. Rund 190.000 Menschen waren 2025 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entsprach 15,2 Prozent der Bevölkerung.
Nach Angaben von Cadena SER handelt es sich um den besten Wert in der bisherigen balearischen Datenreihe und um den zweitniedrigsten Anteil unter den spanischen Regionen. Xavier Torrens bezeichnete die Zahl von rund 190.000 Betroffenen dennoch als „inakzeptabel“. Weitere Nachrichten aus Spanien finden Leser im Ressort Nachrichten.
Minderjährige sind besonders häufig betroffen
Deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung lag das Risiko unter Kindern und Jugendlichen. Bei Minderjährigen erreichte die AROPE-Quote 23 Prozent. Damit war fast jeder vierte junge Mensch auf den Inseln von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Andreu Grimalt, technischer Koordinator der Xarxa per la Inclusió Social, verwies im Gespräch mit Radio Mallorca am Freitag, 16. Oktober 2026, auf mögliche Folgen des Aufwachsens mit unzureichenden Mitteln. Er nannte Beeinträchtigungen des Wohlbefindens, psychische Belastungen sowie geringere Bildungs- und Zukunftschancen. Dabei handelt es sich um seine Bewertung der sozialen Folgen.
Wohnkosten belasten viele Haushalte
Nach Darstellung der beteiligten Organisationen spielen die hohen Wohnkosten eine zentrale Rolle. Die Einrichtungen betreuten Familien, denen nach Zahlung der Miete nicht mehr ausreichend Geld für Lebensmittel oder laufende Versorgungskosten bleibe, berichtete Cadena SER. EAPN-Präsident Torrens sprach in diesem Zusammenhang von prekärer Wohnsituation und fehlender Einkommenssicherung als Hauptgründen für Armut auf den Inseln.
Die Angaben sind besonders für die Inselhauptstadt und den angespannten Wohnungsmarkt auf Mallorca relevant. Weitere regionale Entwicklungen bündelt Spanienleben.de unter Mallorca. Aus den vorliegenden Quellen geht jedoch keine nach Inseln oder Gemeinden aufgeschlüsselte Zahl der von schwerer Armut betroffenen Menschen hervor.
Statistik bildet nicht jede Notlage ab
Grimalt warnte zudem davor, die offiziellen Werte als vollständiges Abbild der sozialen Realität zu verstehen. Nach seinen Angaben werden bestimmte Formen prekärer Unterbringung von der Statistik nicht erfasst. Dazu zählten Menschen, die in Wohnwagen leben, sowie Familien, die gezwungen sind, gemeinsam nur ein Zimmer zu bewohnen.
Die Xarxa per la Inclusió Social argumentiert deshalb, dass die tatsächliche soziale Not über die ausgewiesenen Kennzahlen hinausgehen könne. Diese Aussage ist eine Einschätzung der Organisation. Eine belastbare zusätzliche Zahl für nicht erfasste Personen liegt in den genannten Quellen nicht vor.
Warum sich die Kennzahlen unterschiedlich entwickeln
AROPE und schwere Armut messen nicht dasselbe. Der AROPE-Indikator beschreibt das breitere Risiko von Armut oder sozialer Ausgrenzung, während schwere Armut eine besonders niedrige Einkommensschwelle zugrunde legt. Deshalb können sich beide Werte im selben Zeitraum in unterschiedliche Richtungen bewegen.
Für die Balearen bedeutet das: Der Anteil der insgesamt von Armut oder Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung erreichte 2025 mit 15,2 Prozent einen historischen Tiefstand innerhalb der regionalen Serie. Gleichzeitig wuchs die Gruppe, die mit einem Einkommen unter 40 Prozent des spanischen mittleren Einkommens auskommen musste.
Fazit: Gute Gesamtquote verdeckt eine Verschärfung
Der Bericht „El Estado de la Pobreza 2026“ zeigt für die Balearen zwei parallele Entwicklungen. Einerseits sank der allgemeine AROPE-Wert auf 15,2 Prozent und damit auf den besten Stand der balearischen Datenreihe. Andererseits stieg die Quote schwerer Armut 2025 auf 6,9 Prozent, sodass mehr als 86.000 Menschen mit äußerst geringen Einkommen leben mussten.
Die Zahlen relativieren damit ein ausschließlich positives Bild der sozialen Lage. Nach Einschätzung von EAPN und der Xarxa per la Inclusió Social bleiben vor allem Wohnkosten, fehlende Einkommenssicherung und statistisch nicht ausreichend erfasste prekäre Wohnformen zentrale Probleme.
Quelle
Cadena SER – „La tasa de pobreza severa crece en Baleares y afecta a más de 86.000 personas“
https://cadenaser.com/baleares/2026/10/16/la-tasa-de-pobreza-severa-crece-en-baleares-y-afecta-a-mas-de-86000-personas-radio-mallorca/Europa Press – „Unas 86.000 personas viven en situación de pobreza severa con menos de 680 euros mensuales“
https://www.europapress.es/illes-balears/noticia-86000-personas-baleares-disponen-680-euros-mes-hacer-frente-necesidades-basicas-20261016114254.html
Ratgeber zum Thema
Hintergrund und Praxiswissen, das über die aktuelle Meldung hinausgeht.
Wohnen in Spanien: Miete, Kauf und Wohnungssuche
Wie Wohnungssuche, Mietvertrag und Immobilienkauf in Spanien wirklich ablaufen.
Auswandern nach Spanien: Der komplette Leitfaden
NIE, Anmeldung, Kosten und Alltag – alle Schritte für den Neustart in Spanien.
Finanzen und Steuern in Spanien
Bankkonto, Steuerpflicht, Abgaben und laufende Kosten im Überblick.
Reise-Guide Spanien
Regionen, Orte und praktische Tipps für Urlaub und Ausflüge in Spanien.
Redaktion Spanienleben.de
Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.
Veröffentlicht am 18. Oktober 2026
Unsere RedaktionsleitlinienArtikel teilen
Kennst du jemanden, für den dieser Beitrag interessant ist?
Die Spanien-Woche – jeden Sonntag kostenlos im Posteingang
Verpasse keine wichtige Nachricht mehr: Jeden Sonntag senden wir dir die wichtigsten Meldungen aus Spanien. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Ähnliche Artikel

Cádiz: 43 Kreuzfahrtanläufe im Oktober, rund 17.000 Passagiere an zwei Tagen erwartet
Der Hafen von Cádiz steuert auf zwei besonders besucherstarke Tage zu: Für Dienstag, den 20. Oktober 2026, und Mittwoch, den 21. Oktober 2026, sind jeweils drei Kreuzfahrtschiffe angekündigt. Zusammen werden rund 17.000 Passagiere erwartet. Im gesamten Oktober stehen laut der Hafenbehörde 43 Anläufe mit insgesamt rund 63.000 Passagieren im Kalender. Dabei handelt es sich um Planungen, die sich noch ändern können.

Lanzarote: Winterflugplan mit mindestens 676 Flügen pro Woche, etwas weniger als im Vorjahr
Der Winterflugplan am Flughafen Lanzarote César Manrique soll mindestens 676 reguläre Flüge pro Woche umfassen. Damit liegt die Planung von Turismo Lanzarote etwas unter dem Vorwinter, bleibt aber auf hohem Niveau. Großbritannien gewinnt an Gewicht, während Deutschland und Irland laut der Prognose leicht zurückfallen. Der Flugplan gilt vom Sonntag, 25. Oktober 2026, bis Ende März 2027 und kann sich noch ändern.

Ceuta: Geheimdienstbericht an Richterin sieht Marokko vorab über Masseneinreise informiert
Ein rund 20-seitiger Bericht des spanischen Geheimdienstes CNI befasst sich mit der Masseneinreise nach Ceuta am 30. und 31. Juli 2026. Laut elDiario.es, das das Dokument einsehen konnte, bewertet der CNI Marokkos Dienste als vorab über Ausmaß, Datum und Uhrzeit des Risikos informiert. Zugleich hebt das Papier die enge Zusammenarbeit beider Länder hervor. Die Ermittlungen dauern an; eine Stellungnahme Marokkos enthält der Medienbericht nicht.
