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Tourismusforscher Ivars: Alicantes Tourismus wächst weiter – aber im Einklang mit den Anwohnern

Von Redaktion Spanienleben.de
Palmengesäumte Uferpromenade Explanada in Alicante mit Spaziergängern bei Tageslicht

Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz erstellt

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Alicantes Tourismus dürfte nach Einschätzung des Forschers Josep Ivars weiter wachsen. Zum Welttourismustag am Sonntag, 27. September 2026, forderte er im Gespräch mit Radio Alicante ein Gleichgewicht zwischen touristischer Entwicklung und der Lebensqualität der Bevölkerung. Dafür seien wirtschaftliche, soziale und ökologische Indikatoren nötig. Für Eigentümer von Ferienwohnungen ist vor allem die geplante, aber noch nicht verabschiedete städtische Regulierung relevant.

Tourismusforscher erwartet weiteres Wachstum

Der Tourismus in Alicante wird nach Einschätzung von Josep Ivars weiter wachsen. Entscheidend sei jedoch, diese Entwicklung ausgewogen zu gestalten und mit der Lebensqualität der Einwohner vereinbar zu machen. Das sagte der Direktor des Instituto de Investigaciones Turísticas der Universität Alicante anlässlich des Welttourismustags am Sonntag, 27. September 2026, in einem Interview mit Radio Alicante in der Sendung „Hora 14 Fin de Semana“.

Bei seinen Aussagen handelt es sich um die fachliche Einschätzung eines Wissenschaftlers, nicht um einen politischen Beschluss oder eine bereits festgelegte Maßnahme. Ivars geht davon aus, dass das Gewicht des Tourismus in Alicante nicht abnehmen wird. Deshalb sieht er die öffentlichen Verwaltungen in der Verantwortung, das Wachstum zu regulieren und aktiv zu steuern.

Nachfrageboom dauert länger als erwartet

Nach Darstellung des Forschungsinstituts setzte nach der COVID-19-Pandemie ein kräftiger Anstieg der touristischen Nachfrage ein. Diese expansive Phase halte „länger als erwartet“ an. Sie bringe wirtschaftliche Chancen, zugleich aber Auswirkungen auf den Wohnungszugang, die lokale Wirtschaft und die Umwelt mit sich.

Wie groß die Bedeutung des Sektors ist, zeigen die von Cadena SER zitierten Daten des Tourismusverbands Exceltur: Demnach entfallen 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Comunitat Valenciana auf den Tourismus. Jeder sechste Arbeitsplatz in der Region hängt laut diesen Angaben von der Branche ab. Weitere Entwicklungen aus Alicante und der Region finden Leser in unserem Bereich Costa Blanca.

Ivars fordert Entscheidungen auf Grundlage von Daten

Für eine wirksame Steuerung reicht es aus Sicht von Ivars nicht aus, nur die Zahl der Besucher zu betrachten. Er fordert wirtschaftliche, soziale und ökologische Indikatoren, anhand derer sich Folgen und Zielkonflikte genauer beurteilen lassen. Die notwendigen Daten und Erkenntnisse sollten nach seiner Darstellung von öffentlichen Verwaltungen, Unternehmen, privaten Akteuren und gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden.

Damit verbindet der Forscher keine konkrete neue Vorschrift. Seine Forderung zielt vielmehr auf eine daten- und evidenzbasierte Politik. Nur wenn Nachfrage, wirtschaftlicher Nutzen, Wohnsituation, Umweltfolgen und soziale Auswirkungen gemeinsam untersucht würden, könnten Verwaltungen wirksame Entscheidungen treffen.

Airbnb hat die Dynamik in den Vierteln beschleunigt

Nach Einschätzung von Ivars hat der technologische Wandel dazu geführt, dass sich der Tourismus auf mehr städtische Räume ausbreitet. Plattformen wie Airbnb hätten diese Entwicklung beschleunigt und verändert. Dadurch entstehe in bestimmten Vierteln eine Spannung zwischen ihrer Wohnfunktion und der zunehmenden touristischen Nutzung.

Gleichzeitig warnt Ivars ausdrücklich vor einer „Dämonisierung“ des Tourismus. Die touristische Aktivität sei nicht die einzige Ursache der beobachteten Probleme; vielmehr müsse das Zusammenwirken verschiedener Faktoren betrachtet werden. Seine Position lautet deshalb nicht, den Tourismus zurückzudrängen, sondern sein dauerhaftes Gewicht mit anderen wirtschaftlichen Nutzungen und vor allem mit der Lebensqualität der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Hotelverband kritisiert illegale Ferienwohnungen

Deutlich schärfer äußerte sich Luis Castillo, Präsident des Hotel- und Beherbergungsverbands APHA. Illegale Ferienwohnungen gebe es in der Stadt „zu viele“, sagte er laut dem Bericht von Radio Alicante. Castillo fordert, dass die Unternehmer an der Ordnung und Regulierung der touristisch genutzten Wohnungen beteiligt werden.

Nach dem Bericht will die Stadt Alicante die entsprechende Regulierung bis Ende 2026 verabschieden. Sie ist damit zum jetzigen Stand geplant, aber noch nicht beschlossen. Aus der Ankündigung lassen sich weder der endgültige Inhalt noch konkrete neue Pflichten oder Rechtsfolgen ableiten.

Stadt nennt Verfahren und Tätigkeitsaussetzungen

Für das Jahr 2026 nennt die Stadt Alicante laut Cadena SER 57 eingeleitete Untersuchungsverfahren im Zusammenhang mit Ferienwohnungen. Hinzu kommen 26 Sanktionsverfahren und neun Tätigkeitsaussetzungen. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Verfahrensarten und dürfen nicht zu einer vermeintlichen Gesamtzahl betroffener Wohnungen addiert werden, weil Überschneidungen aus dem Bericht nicht ausgeschlossen werden können.

Die Angaben zeigen dennoch, dass die Kontrolle touristischer Wohnnutzungen bereits ein Thema der Verwaltung ist. Ob und wie die geplante städtische Regulierung diese Praxis verändert, wird erst nach Vorlage und Verabschiedung der endgültigen Bestimmungen beurteilt werden können. Aktuelle Meldungen dazu finden sich unter Nachrichten aus Spanien.

Was Residenten und Eigentümer beachten sollten

Für deutschsprachige Residenten ist die Debatte besonders dort relevant, wo dauerhafter Wohnraum und touristische Vermietung unmittelbar aufeinandertreffen. Eigentümer, die eine Wohnung kurzzeitig an Urlauber vermieten oder dies planen, sollten den aktuellen Status ihrer Lizenz und die geltenden Anforderungen für das konkrete Objekt prüfen. Zudem empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung der angekündigten Verordnung der Stadt Alicante zu verfolgen.

Welche Bestimmungen am Ende gelten werden, lässt sich aus dem Interview nicht ableiten. Auch die genannten Verwaltungsverfahren erlauben keine pauschalen Rückschlüsse auf einzelne Immobilien. Bei Unsicherheiten ist eine individuelle fachliche Prüfung sinnvoll; diese Einordnung stellt keine Rechtsberatung dar. Zusätzlichen Kontext zum lokalen Immobilienmarkt bietet unser Beitrag über das Durchschnittsalter von Wohnungskäufern in Alicante.

Fazit: Wachstum und Lebensqualität zusammendenken

Ivars stellt die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus nicht infrage. Seine zentrale Botschaft lautet vielmehr, dass weiteres Wachstum nicht isoliert betrachtet werden darf. Alicante brauche verlässliche Daten, eine aktive öffentliche Steuerung und einen Ausgleich zwischen Tourismus, anderen wirtschaftlichen Aktivitäten, Wohnfunktion und Lebensqualität. Die konkrete Ausgestaltung der geplanten Ferienwohnungsregulierung bleibt abzuwarten.

Ratgeber zum Thema

Hintergrund und Praxiswissen, das über die aktuelle Meldung hinausgeht.

Quelle

Redaktion Spanienleben.de

Wir berichten aus Spanien über Auswandern, Alltag, Immobilien und aktuelle Nachrichten – recherchiert anhand offizieller Quellen und spanischer Medien.

Veröffentlicht am 27. September 2026

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